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30.09.2014, 18:21 Uhr MANIPULATION AM HERZZENTRUM BERLIN

Kontrollen bei Organspende erfolgreich?

Von Désirée Therre


Richterin Anne-Gret Rinder (links), Vorsitzende der Prüfungskommission, und Hans Lippert (rechts), Vorsitzender der Überwachungskommission, äußern sich bei einer Pressekonferenz der offiziellen Kommissionen zur Überwachung von Organtransplantationen in Berlin zu neuen Prüfergebnissen. Nach dem Organvergabeskandal sollten Prüfer herausfinden, ob es bei der Organvergabe zu Manipulationen gekommen ist. Foto: dpaRichterin Anne-Gret Rinder (links), Vorsitzende der Prüfungskommission, und Hans Lippert (rechts), Vorsitzender der Überwachungskommission, äußern sich bei einer Pressekonferenz der offiziellen Kommissionen zur Überwachung von Organtransplantationen in Berlin zu neuen Prüfergebnissen. Nach dem Organvergabeskandal sollten Prüfer herausfinden, ob es bei der Organvergabe zu Manipulationen gekommen ist. Foto: dpa

Osnabrück. Es hätte eine gute Nachricht werden können: Bei den strengeren Kontrollen – nach dem Organspende-Skandal von Göttingen eingeführt – entdeckten die Prüfer nur ein einziges schwarzes Schaf. Und ein paar „Unregelmäßigkeiten“ wie Zahlendreher oder Tippfehler. Doch die schlechte Nachricht bleibt:

Die schlechte Nachricht ist, dass die Bereitschaft in Deutschland weiter sinkt, ein Organ zu spenden. Auch kleine Verstöße fallen bei diesem Thema schwer ins Gewicht. Sie tragen nicht dazu bei, wieder Vertrauen zu den Ärzten zu fassen.

Mit den Kontrollen hatte die Bundesärztekammer ein wichtiges Signal gesetzt. Eine Trendwende wurde dadurch nicht eingeleitet. Deutschland liegt im europäischen Vergleich immer noch auf einem der hinteren Plätze bei der Zahl der Organspender.

Daran zeigt sich, dass das Problem tiefer liegt. Denn die deutschen Organspendezentren sind schlechter organisiert als beispielsweise die spanischen. Auch der Vergabemodus, bei dem auf Notwendigkeit und Erfolgsaussichten geachtet wird, ist schwammig und widersprüchlich.

Hier müssen Politiker gemeinsam mit Ethikern und Medizinern praktikablere Modelle erarbeiten. Die Zeit drängt. Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland bei diesem lebenswichtigen Thema trödelt. Mit der Reform von 2012 hat die Regierung versäumt, die politischen Weichen zu stellen, um mehr Leben zu retten. Nun muss sie versuchen, mit kleinen Korrekturen den Kurs zu drehen – eine schwierige Aufgabe.


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