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29.09.2014, 17:50 Uhr ZENTRALREGIERUNG UNTER DRUCK

Proteste in Hongkong: Pekings Ängste

Ein Kommentar von Franziska Kückmann


Demonstranten in Hongkong blockieren das Finanzviertel der Stadt. Foto: ReutersDemonstranten in Hongkong blockieren das Finanzviertel der Stadt. Foto: Reuters

Osnabrück. Die brutale Reaktion der Sicherheitskräfte in Hongkong entlarvt, wie sehr die Proteste für mehr Demokratie die Zentralregierung in Peking unter Druck setzen.

Mit unmissverständlicher Härte ist die Polizei gegen die jungen Demonstranten vorgegangen. Auch dass die kommunistische Führung ausländische Regierungen vor einer Einmischung warnt, zeigt, wie alarmiert Peking ist. Zumal sich die Massen, die friedlich auf die Straßen gehen, von der eingesetzten Gewalt eher ermutigt denn eingeschüchtert zeigen.

Die Menschen in Hongkong machen deutlich, dass sie den immer stärkeren Einfluss Pekings auf die Sonderverwaltungsregion nicht akzeptieren. Ihr Ruf nach mehr Mitbestimmung entspringt einer selbstbewussten Zivilgesellschaft, die hier, anders als im Rest der Volksrepublik, traditionell ausgeprägt ist. Gleichzeitig sorgen gestiegene Lebenshaltungskosten und die immer tiefer werdende Kluft zwischen Arm und Reich für Unmut. Gerade weil diese Entwicklung kein für Hongkong spezifisches Problem ist, sondern für China allgemein gilt, reagiert Peking so dünnhäutig.

Entscheidend für die Zukunft des Riesenreichs wird das weitere Vorgehen der Zentralregierung gegen die Demonstranten sein, nachdem der erste Einsatz von Gewalt die Proteste nicht beenden konnte. Klug wäre es, den Dialog zu suchen – doch für eine solche Politik ist China bisher nicht bekannt.

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