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28.09.2014, 18:19 Uhr MATERIALPROBLEME IN DER TRUPPE

Mehr als eine Geldfrage für die Bundeswehr

Kommentar von Christof Haverkamp

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist wegen der Pannen der Bundeswehr derzeit unter Druck. Foto: Wolfgang KummBundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist wegen der Pannen der Bundeswehr derzeit unter Druck. Foto: Wolfgang Kumm

Osnabrück. Die Ausrüstungsmisere der Bundeswehr ist so groß, dass Deutschland zurzeit seine Bündniszusagen an die Nato nicht einhalten kann. Doch es liegt nicht nur an fehlendem Geld.

Kaputte Hubschrauber, uralte Flugzeuge, fehlende Ersatzteile: Bei der Bundeswehr kommen immer mehr Mängel ans Licht. Die dramatischen Materialprobleme können für die Soldaten im Auslandseinsatz gefährliche, ja tödliche Folgen haben. Doch wäre es zu einfach, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für den schlechten Zustand verantwortlich zu machen. Dafür ist sie noch zu kurz im Amt, und Rüstungsprojekte werden langfristig geplant.

Nur klein- oder schönreden darf die Ressortchefin den Zustand nicht. Und sie muss bald handeln und praktikable Lösungen vorschlagen, damit die Truppe ihre Aufgaben wieder angemessen erfüllen kann.

Die Materialprobleme haben vor allem mit den Folgen jahrelanger Misswirtschaft zu tun und mit den Eigenarten des schwierig zu führenden Ministeriums. Und dass gerade bei der Bundeswehr gespart werden sollte, war im Übrigen politisch allseits gewollt – auch von manchen, die nun den maroden Zustand der Waffen kritisieren. Die Ursache für den miserablen Zustand liegt allerdings nicht allein an fehlendem Geld, sondern auch daran, dass qualifiziertes Personal für die Wartung und Inspektion fehlt.

Jetzt ist es für die Bundeswehr wichtig, nach vorne zu blicken. Die Suche nach dem Schuldigen hilft dagegen kaum weiter. So würde es wenig bringen, den Chef des Bundeswehr-Beschaffungsamtes zu feuern. Er wäre lediglich ein Bauernopfer.

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