Nur bedingt einsatzbereit? Bundeswehr fehlt es an Ausrüstung

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein Transporthubschrauber der Bundeswehr vom Typ CH 53 im Feldlager der Bundeswehr in Kundus. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013. in Afghanistan. Momentan hat die Bundeswehrgroße Materialprobleme. Foto: dpaEin Transporthubschrauber der Bundeswehr vom Typ CH 53 im Feldlager der Bundeswehr in Kundus. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013. in Afghanistan. Momentan hat die Bundeswehrgroße Materialprobleme. Foto: dpa

dpa/Reuters Osnabrück. „Bedingt abwehrbereit“, so titelte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ im Oktober 1962 im Schatten des Kalten Kriegs. Heute, in Zeiten des IS-Terrors, ist die Bundeswehr offenbar nur bedingt einsatzbereit.

Waffenlieferungen an die Kurden geraten ins Stocken, die Helikopterflotte könnte nicht abheben – im Ernstfall.

Deutsche Waffenlieferungen für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak:

Nach stundenlanger Verzögerung wegen eines Defektes flog von Leipzig aus am frühen Donnerstagmorgen eine erste Maschine mit Panzerfäusten, Gewehren und Munition ab. Dies bestätigte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Der Start der Transportmaschine war ursprünglich für den Mittwochmittag geplant. Das vorgesehene Flugzeug der niederländischen Luftwaffe war jedoch kaputt gegangen, Ersatzteile mussten eingeflogen werden.

Bundeswehrausbilder sitzen in Bulgarien fest:

Auch eine Gruppe von Bundeswehrausbildern, die die Kurden vor Ort an den Waffen einweisen sollen, saß am Mittwochabend weiter in Bulgarien fest – ebenfalls wegen eines defekten Flugzeugs. „Wir erwarten, dass das Team am Nachmittag mit einer anderen Transall fliegen kann“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Bei den Soldaten, die im bulgarischen Burgas auf ihre Weiterreise warten, handelt es sich um sechs Fallschirmjäger und einen Sanitäter.

Schon ihre Abreise von Deutschland hatte sich Ende vergangener Woche wegen eines Defekts an einer Transall verzögert. Die Bundeswehr wartet nach Aussage von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dringend auf die Lieferung des neuen Transportflugzeugs A400M, das die betagte Transall ablösen soll.

Transall und Eurofighter nicht flugtüchtig:

Die alternde Flotte der Luftwaffe ist offenbar in einem schlechteren Zustand als bisher bekannt. Lediglich 38 von 89 Kampfjets des Typs Tornado und 24 von 56 Transportflugzeugen des Typs Transall sind derzeit einsatzbereit, wie aus einem Bericht des Bundesverteidigungsministeriums hervorgeht. Die Mängelliste, über die zuerst die „Bild“-Zeitung berichtet hatte, lag Reuters am Mittwochabend vor. Von den 83 CH-53-Transporthubschraubern sind danach gerade einmal 16 für den Einsatz, Ausbildung oder Übungen verfügbar. Von 109 Eurofightern können nur 42 eingesetzt werden. Die Auslieferung des ersten A400M-Militärtransporters an die Bundeswehr verzögert sich unterdessen nach Angaben aus Kreisen des Wehrausschusses im Bundestag um mindestens einen weiteren Monat. Frühestens im Dezember solle nun das erste Exemplar bei der Luftwaffe ankommen. Der A400M soll die in den 1960er-Jahren entwickelte Transall ablösen. Der Grünen-Politiker Tobias Lindner sprach von einer bösen Überraschung. „Die Lage der Verfügbarkeit des Bundeswehrmaterials stellt sich desolater dar als angenommen“, sagte der Verteidigungsexperte. Neben gravierenden Einzelproblemen wie beim Marinehubschrauber Sea Lynx zeigten sich enorme strukturelle Probleme im Verteidigungsministerium. Eine verschleppte Ersatzteilbeschaffung in der Amtszeit des früheren Verteidigungsministers Thomas de Maizière (CDU) habe nun massive Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Bereits vor einigen Tagen war bekanntgeworden, dass auch die Marine mit massiven Problemen bei ihrem fliegenden Gerät zu kämpfen hat. Betroffen sind hier die Bordhubschrauber Sea Lynx und Sea King. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen räumte Probleme mit der Bundeswehr-Ausrüstung ein. „Ich will nicht verhehlen, dass wir zum Teil Material haben, dass schon einige Zeit auf dem Buckel hat“, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Man sei in intensiven Gesprächen mit der Industrie, dass neues Material geliefert werde. Konkret nannte die Ministerin den A400M von Airbus , auf den die Bundeswehr seit Jahren wartet. Trotzdem beweise die Bundeswehr täglich in 17 Auslandseinsätzen, dass sie leistungsfähig sei.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN