Deutsch-Niederländisches Korps Schnelle Eingreiftruppe der Nato setzt auf Münster

Von Jörn Petring

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Komplexe Logistik wird von den mobilen Operationszentralen des Deutsch-Niederländischen Korps gesteuert. Foto: Deutsch-Niederländisches KorpsKomplexe Logistik wird von den mobilen Operationszentralen des Deutsch-Niederländischen Korps gesteuert. Foto: Deutsch-Niederländisches Korps

Münster. Ab dem 1. Januar wird es ernst für das in Münster stationierte Deutsch-Niederländische Korps. Der multinationale Verband wird dann für ein Jahr zu einem Hauptquartier der schnellen Eingreiftruppe des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato. Dabei ist die Truppe zunehmend auf private Transportdienstleister angewiesen.

Das bedeutet: Wann immer es auf der Welt eine militärische Krise gibt, zu der die Nato-Zentrale in Brüssel Soldaten entsenden will, wird Münster an der Koordination beteiligt sein. Die wichtigste Aufgabe der Münsteraner: Sie müssen sich schnell auf den Weg machen und ein Hauptquartier in der Nähe der Krisenregion aufbauen. „Vor allem logistisch ist das eine sehr anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Oberst Jürgen Knobloch, der die Logistik des Korps verantwortet.

Für ihn und seine Kollegen geht es ab dem kommenden Jahr um die Frage, wie man in kurzer Zeit Tausende Soldaten, Panzer und anderes schweres militärisches Gerät von verschiedenen Nato-Mitgliedern zusammenziehen und dann in die möglicherweise entlegensten Winkel der Erde transportieren kann. „Material von A nach B bringen, auch davon hängt es ab, ob eine militärische Operation zu einem Erfolg wird“, sagt Knobloch.

Damit das Korps in Münster im Januar gut vorbereitet in seine neue Aufgabe gehen kann, fand in den vergangenen zwei Wochen eine große Abschlussübung statt, an der sich mehrere Nationen beteiligten. Das Szenario der Übung „Noble Ledger“: Separatisten haben sich in Teilen Norwegens ausgebreitet und werden von einem großen Nachbarland mit Waffen und Material ausgestattet.

Parallelen zum Konflikt in der Ukraine, wo prorussische Rebellen im Osten des Landes gegen Truppen der Regierung kämpfen, sind kein Zufall. „Die Szenarien, die wir bei unseren Übungen benutzen, sind so realistisch wie möglich.“ Erfahrungen aus aktuellen Konflikten würden natürlich genutzt, sagt Oberst Paul Hoefsloot.

Speditionen und Reeder

Die Übung in Norwegen hatte beachtliche logistische Ausmaße: Von den insgesamt 6000 Soldaten, 570 Containern Material und Hunderten Fahrzeugen musste ein Großteil über die Ost- und die Nordsee in den kleinen norwegischen Hafen Brevik transportiert werden. „Der Hafen ist ein Nadelöhr, weil maximal ein Schiff entladen werden kann“, sagt Hoefsloot. Das Militär transportiert seine Ausrüstung meistens nicht mehr mit eigenen Lastwagen und Transportschiffen. „Gerade wenn es um die Logistik geht, arbeiten wir sehr viel mit der privaten Wirtschaft zusammen“, sagt Hoefsloot. Üblich sind sowohl private Busunternehmen, die Soldaten zur Übung fahren, als auch internationale Frachtunternehmen, die schweres Gerät per Flugzeug oder Containerschiff transportieren. „Dabei sollen die Transporter natürlich so gut ausgelastet sein wie möglich“, sagt Hoefsloot. Ein Schiff, das in den Niederlanden startet, macht also im Idealfall einen Zwischenstopp in Deutschland, sammelt dort weitere Einheiten ein und steuert erst dann Brevik an.

Beim Deutsch-Niederländischen Korps ist man davon überzeugt, dass diese Zusammenarbeit nicht nur bei Übungen, sondern auch im Ernstfall funktioniert. Dass ein Krieg ausbricht und ein Frachtunternehmen plötzlich keine Kapazitäten für einen Militärtransport habe, sei ausgeschlossen. „Wir haben Verträge mit den Unternehmen, die sie verpflichten, uns im Ernstfall schnell die vereinbarten Kapazitäten zur Verfügung zu stellen“, sagt Knobloch.

Und manchmal ist die Zusammenarbeit mit einem Privatunternehmen nicht nur billiger, sondern für eine militärische Operation auch unerlässlich. Ein gutes Beispiel ist der Einsatz in Afghanistan, an dem auch das Deutsch-Niederländische Korps in Münster immer wieder beteiligt war.

Zurück vom Hindukusch

Eine Schlüsselrolle kam dort Jack van Zon zu. Der Oberstleutnant war während seiner Stationierung in Afghanistan dafür verantwortlich, dass für den Betrieb der Militärbasen und für sämtliche Fahrzeuge stets genug Benzin in den Lagertanks war – eine knifflige Aufgabe. „Zuerst musste geklärt werden, wo der Treibstoff überhaupt herkommen sollte“, sagt van Zon. Aus dem benachbarten Iran, der zu dem Zeitpunkt niemals eine Kampftruppe aus dem Westen unterstützt hätte, sicher nicht. Und auch Pakistan, Rückzugsgebiet der Taliban, kam nicht infrage. Blieb also nur Usbekistan im Norden. Die afghanische Regierung untersagte allerdings, dass Treibstoff ab der Grenze vom Militär befördert wurde.

Ausschließlich afghanische Unternehmen, die der Staat selbst auswählte, durften diese Aufgabe übernehmen. „Einerseits waren wir damit fein raus, weil wir das Benzin auch erst bezahlen mussten, wenn es heil bei uns im Lager ankam“, sagt van Zon. Andererseits war man aber auch komplett abhängig. „Wenn die Grenzen dicht gemacht wurden oder es einen Anschlag auf die Transporter gab, wurden unsere Vorräte gelegentlich knapp.“


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