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Einjähriges Kind Im Jemen vermisste deutsche Familie ist tot

Von dpa

Familienvater Johannes und seine Ehefrau Sabine mit ihrem Sohn Simon, aufgenommen am im April 2010 im Jemen. Foto: dpaFamilienvater Johannes und seine Ehefrau Sabine mit ihrem Sohn Simon, aufgenommen am im April 2010 im Jemen. Foto: dpa

Meschwitz. Ein vor fünf Jahren im Jemen entführtes deutsches Ehepaar und dessen kleiner Sohn sind tot. Darüber habe das Auswärtige Amt jetzt die Angehörigen informiert, sagte der Sprecher der Familie aus dem kleinen Ort Menschwitz in Ostsachsen, Pastor Reinhard Pötschke.

Er bestätigte einen Online-Bericht des evangelischen Magazins «Idea Spektrum». Für die Angehörigen sei damit traurige Gewissheit, was sie seit Jahren befürchtet haben. «Wir sind aber auch froh, jetzt wenigstens an einem Punkt zu sein, an dem wir in die Phase des Trauerns und des Abschiednehmens eintreten können.»

Die bei der Geiselnahme 36 Jahre alten Eltern seien getötet worden, der knapp einjährige Simon sei - vermutlich an einer Infektion - gestorben. Laut Pötschke heißt es in dem Schreiben des Auswärtigen Amtes: «Gemäß hier vorliegendem zuverlässigen nachrichtendienstlichen Aufkommen wurden Johannes, Sabine und Simon Hentschel im Verlauf ihrer Entführung im Jemen getötet bzw. verstarben.»

Die insgesamt fünfköpfige Familie war 2009 im Jemen von Geiselnehmern verschleppt worden. Die Eltern hatten in dem Land für eine kleine christliche Hilfsorganisation gearbeitet. Die Töchter Lydia und Anna - heute zehn und acht Jahre alt - kamen im Mai 2010 frei und kehrten nach Deutschland zurück. Von den Eltern und dem damals knapp einjährigen Simon fehlte lange jede Spur.

Das Schreiben des Auswärtigen Amtes habe die Familie Ende August erreicht, sagte Pötschke, der Schwager des getöteten Johannes Hentschel. Sie hätten in den vergangenen Wochen zunächst weitere Angehörige und Freunde der Familie über die Nachricht informiert, bevor sie an die Öffentlichkeit gehen wollten.

Eine Übersicht der Ereignisse:

- 12. Juni 2009: Das Ehepaar unternimmt mit seinen beiden Töchtern und dem Sohn in der nordwestlichen Provinz Saada einen Ausflug. Ihnen schließen sich vier Arbeitskollegen an - ein britischer Ingenieur, eine südkoreanische Lehrerin und zwei Pflegehelferinnen aus Niedersachsen. Sie arbeiten für die niederländische Hilfsorganisation „Worldwide Services“ in einem Krankenhaus. Auf dem Rückweg werden sie von bewaffneten Männern verschleppt.

- 15. Juni 2009: Die Leichen der beiden deutschen Pflegehelferinnen und der Koreanerin werden im Nuschur-Tal nahe der Ortschaft Akwan entdeckt. Die Frauen wurden erschossen. Von den restlichen Geiseln fehlt jede Spur. Es ist unklar, ob Kriminelle oder islamistische Terroristen die Täter sind.

- 23. Dezember 2009: Die „Bild“-Zeitung berichtet, dass es von den drei Kindern ein Lebenszeichen gebe. Der Bundesregierung soll ein Video der Kidnapper vorliegen. Im Auftrag des Krisenstabes reist der frühere Außenstaatssekretar Jürgen Chrobog als Vermittler in den Jemen. Dort waren er und seine Familie im Dezember 2005 selbst Opfer einer Geiselnahme geworden.

- 11. Januar 2010: Zum Abschluss seiner Reise an den Golf macht der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) einen Blitzbesuch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Er spricht mit Vertretern der Regierung über das Schicksal der deutschen Familie. Danach erklärt er, die jemenitische Führung kenne den Aufenthaltsort der Geiseln.

- 12. Januar 2010: Die jemenitische Regierung hat Kontakt zu den Entführern der sächsischen Familie. Außenminister Abu Bakr al-Kirbi erklärt in der Hauptstadt Sanaa: „Wir verhandeln jetzt über ihre Freilassung.“ Wer die Entführer sind, sagt der Minister nicht.

- 13. Januar 2010: Nach Informationen von „Spiegel Online“ verlangen die Kidnapper unter anderem zwei Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro) Lösegeld. Sie wollen außerdem Straffreiheit und freies Geleit.

- 18. Mai 2010: Eine Spezialeinheit aus Saudi-Arabien rettet die beiden Mädchen. Sie soll die Kinder in einem Dorf im Bezirk Schadha in der Provinz Saada nahe der saudischen Grenze aufgespürt haben. Die Schwestern kehren nach Deutschland zurück.

- 23. September 2014: Die Angehörigen geben bekannt, dass sie vom Auswärtigen Amt über den Tod der vermissten Eltern und des Jungen informiert wurden. „Gemäß hier vorliegendem zuverlässigen nachrichtendienstlichen Aufkommen wurden Johannes, Sabine und Simon Hentschel im Verlauf ihrer Entführung im Jemen getötet bzw. verstarben“, zitiert die Familie aus dem Schreiben des AA.