DiCaprio eröffnet Treffen der UNO Große Erwartungen an Klimagipfel in New York

Von dpa

In New York demonstrieren schon vor dem Gipfel Hunderttausende gegen die weltweite Erderwärmung durch klimaschädliche Treibhausgase.Foto: dpaIn New York demonstrieren schon vor dem Gipfel Hunderttausende gegen die weltweite Erderwärmung durch klimaschädliche Treibhausgase.Foto: dpa

New York. Die Staats- und Regierungschefs treffen sich an diesem Dienstag in New York zu einem Klimaschutz-Gipfel der Vereinten Nationen. Die Hoffnungen sind hoch; die Widerstände allerdings auch.

Die Worte in der ganzseitigen Anzeige in der „New York Times“ klangen erschreckend. Vom „Verlust der Fähigkeit, uns selbst zu ernähren“ und Kriegen war da die Rede, alles als Folge eines Klimawandels. Zu den Urhebern der von 160 Umweltpreisträgern geschalteten Anzeige gehören auch Ernst von Weizsäcker und mehr als 20 weitere Deutsche. Adressat sind die Staats- und Regierungschefs, die in den USA zusammenkommen.

New York soll ein bisschen Kopenhagen gutmachen. Auf der UN-Klimakonferenz 2009 hatte es trotz gewaltigen Aufwands nur eine Minimaleinigung gegeben, die noch dazu für niemanden bindend war. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hofft nun auf einen Aufbruch und Dynamik, um den bis Ende 2015 geplanten Weltklimavertrag für mehr als 190 Staaten doch noch zu schaffen.

UN-Friedensbotschafter

Leonardo DiCaprio eröffnet als echter Star die Konferenz: Es wird sein erster Auftritt als „UN-Friedensbotschafter“ sein. Doch der Blick ruht eher auf den Staats- und Regierungschefs und auf den Unternehmern und Finanziers. „In diesem Gebäude werden die Menschen versammelt sein, die an den Hebeln der Weltwirtschaft sitzen“, kündigte Bans Berater Robert Orr im UN-Hauptquartier an. Schließlich geht es vor allem um Geld. Denn in Kopenhagen wurde immerhin die Gründung des Green Climate Fund vereinbart.

Der UN-Klimafonds will von 2020 an jedes Jahr 100 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) an staatlichen und privaten Geldern mobilisieren, um damit klimarelevante Projekte in Entwicklungsländern zu finanzieren. Mit dieser Summe rechnen selbst die Optimisten nicht mehr. Bisher sind es im Jahr 2014 gerade einmal etwas mehr als 50 Millionen Dollar – für das ursprüngliche Ziel müssten es 2000-mal so viel sein.

Entsprechende Schlagzeilen machte die deutsche Ankündigung, eine Milliarde Dollar zur Verfügung stellen zu wollen. Doch in New York wird das kaum für Aufregung sorgen, weil die Überbringerin fehlt: Angela Merkel, Kanzlerin des Landes, das in den UN-Sicherheitsrat möchte, kommt nicht. Zwar ist Barbara Hendricks (SPD) da, doch die rückt im UN-Protokoll als Umweltministerin weit nach hinten.

Konkurrent China

Verliert Deutschland seine Rolle als Musterschüler in Umweltfragen? „Eine ehrliche Klimapolitik war bislang so eine Art Markenzeichen dieses modernen, reichen Landes, das betont nicht mit seinen Streitkräften Politik machen wollte. Man hat den Deutschen geglaubt, dass sie es ernst meinen“, sagt ein westeuropäischer UN-Diplomat. „Wenn man wahrgenommen werden will, sollte man seine Markenzeichen nicht aufs Spiel setzen.“

Es taucht zumindest ein Konkurrent auf: China. Das Land, das bislang, so schien es, auf Wachstum um jeden Preis gesetzt hatte, ist sehr aktiv im Handel mit Emissionsschutzrechten. Mittlerweile scheinen die Chinesen die Klimapolitik sehr ernst zu nehmen, und zumindest in Asien gehören sie schon zu den aktivsten Kräften.

New York darf nicht scheitern, heißt es auf den Fluren der UN – das hatte man in Kopenhagen vor fünf Jahren allerdings auch gesagt. Umweltorganisationen aus der ganzen Welt wollen Druck machen, damit mehr Staaten aus einer egoistischen Politik herausfinden. Auf 100000 Teilnehmer allein in New York hoffen die Organisatoren am Sonntag, es soll die größte Umweltdemonstration der Geschichte werden. Letztlich wird es vor allem darum gehen, dass die Staaten sich bereit erklären, bis nächstes Jahr konkrete Minderungsziele zu übermitteln. Denn wenn nicht spätestens von 2020 an der Treibhausgasausstoß merklich sinkt, dürfte das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, nicht mehr zu schaffen sein. Und dann könnten die Prophezeihungen in der Zeitungsanzeige bittere Realität werden.


Der New Yorker UN-Gipfel soll neuen Schwung in die internationalen Klimaverhandlungen bringen, damit bis Ende 2015 die Einigung auf einen Klimavertrag für über 190 Staaten wirklich klappt. - Der Klimavertrag soll Ende 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedet werden und 2020 in Kraft treten. Auch die USA und China, die sich bisher gegen verbindliche Minderungsziele sperren, sollen mitmachen, damit das Ziel noch erreicht wird, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Zudem sind öffentliche und private Hilfen für vom Klimawandel betroffene Staaten von bis zu 100 Milliarden Dollar jährlich ab 2020 geplant. Zuvor gibt es noch im kommenden Dezember in Lima eine UN-Klimakonferenz, die Details für den Vertrag erarbeiten soll. Bis Ende des 1. Quartals 2015 sollen alle Staaten ihre Treibhausgas-Minderungsziele für den Weltklimavertrag mitteilen.

- Das Kyoto-Protokoll wurde bis 2020 verlängert, um die Zeit bis zum Klimavertrag zu überbrücken. Es verpflichtet die Staaten ebenfalls auf Reduktionsziele. Aber das Kyoto-Protokoll umfasst nur die EU-Länder und zehn weitere Staaten - Neuseeland, Russland und Japan sind in der zweiten Verpflichtungsperiode nicht mehr dabei. Die EU möchte ihre Treibhausgase bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 20 Prozent reduzieren, Deutschland als selbst ernannter Vorreiter um 40 Prozent.