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22.09.2014, 18:35 Uhr SOLDATEN IM KAMPF GEGEN EBOLA?

Ursula von der Leyen sucht Freiwillige: ein hilfloser Versuch

Von Désirée Therre


Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht nun in Ebola eine Bedrohung weit über Afrika hinaus. Foto: dpa/Daniel NaupoldBundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht nun in Ebola eine Bedrohung weit über Afrika hinaus. Foto: dpa/Daniel Naupold

Osnabrück. Zur Eindämmung der Ebola-Epidemie werden in Westafrika dringend Helfer benötigt. Nun sollen Soldaten der Bundeswehr ins Krisengebiet – allerdings freiwillig. Ein vernünftiger Krisenplan sieht anders aus.

Anfang des Jahres kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vollmundig an, sich mit einer neuen Afrika-Strategie auf diesem Kontinent stärker zu engagieren. Bisher war davon wenig zu sehen. Nun will die Ministerin Mediziner, Pfleger und Logistiker der Bundeswehr bitten, sich freiwillig für den lebensgefährlichen Kampf gegen Ebola zu melden. Angesichts der dramatischen Lage in Westafrika scheint das verwunderlich: Wieso schickt die Verteidigungsministerin die Mitarbeiter nicht einfach in den Einsatz? Die Antwort: Nur ein geringer Teil der Mediziner untersteht der Truppe. Die Ministerin setzt nun auf Hilfe, die nicht mit einem Marschbefehl in Gang zu setzen ist.

Denn die Unsicherheit gegenüber ausländischen Soldaten und medizinischen Helfern ist groß in den Krisenländern. Für diesen humanitären „Einsatz“ braucht es mutige Menschen, die helfen wollen – und nicht solche, die Befehle ausführen. Es ist jedoch ein riskantes Spiel, was von der Leyen treibt: Die Zeit, auf freiwillige Helfer zu warten, haben die Menschen in Afrika nicht. Verständlich ist es, dass Isolierzellen in die Flugzeuge gebaut werden müssen, um die Sicherheit der Helfer zu erhöhen und die Krankheit nicht zu verschleppen. Auch das kostet Zeit.

So ist der Vorschlag am Ende ein hilfloser Versuch, der nicht kaschieren kann, dass er zu spät kommt. Ein vernünftiges Konzept, um humanitäre Hilfe zu leisten, braucht mehr Zeit.

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