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Ermittlung nach dem Motiv Totes Baby an der A1: Fahndung führt zu weiterem Fall

Von dpa

Blick auf ein Schließfach im Hamburger Hauptbahnhof. Foto: Daniel BockwoldtBlick auf ein Schließfach im Hamburger Hauptbahnhof. Foto: Daniel Bockwoldt

Lübeck. Der Fund zweier toter Babys in einem Hamburger Schließfach gibt den Ermittlern Rätsel über die Motive der Mutter auf. Die Fahnder waren durch die Fahndung nach der Mutter eines toten Babys an der A1 auf den Fall in Hamburg aufmerksam geworden.

Auf die Frau aus Bad Schwartau waren die Ermittler zufällig gestoßen: Die ZDF-Fernsehsendung «Aktenzeichen XY ungelöst» hatte von dem toten Baby berichtet, das auf einer Toilette einer Raststätte an der A1 zwischen Vechta und Lohne/Dinklage gefunden wurde . Dabei baten Ermittler um Hinweise auf Frauen, die nach einer offenkundigen Schwangerschaft nicht mit ihren Neugeborenen zu sehen waren . Ein Anruf führte die Polizei daraufhin zu der 39-Jährigen. Sie hatte mit dem Fall an der A1 zwar nichts zu tun, machte sich aber mit widersprüchlichen Aussagen verdächtig.

Die 39-Jährige habe zunächst nicht befragt werden können, weil es ihr sehr schlecht gehe, sagte der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft, Ralf-Peter Anders, am Freitag. Die Mutter werde in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik behandelt. Es bestehe akute Selbstmordgefahr, sagte Anders.

Die Polizei hatte am Donnerstag in dem Schließfach des Hamburger Hauptbahnhofs einen Koffer mit zwei unterschiedlich stark verwesten Babyleichen entdeckt . «Wir gehen davon aus, dass es sich um Geschwister handelt. Letzte Sicherheit kann allerdings erst eine DNA-Untersuchung in der Gerichtsmedizin erbringen», sagte Anders. Das Ergebnis wurde noch für Freitag erwartet.

Warum töten oder verletzen Mütter ihre Kinder?››

Zu den Lebensumständen der Mutter wollte Anders am Freitag keine weiteren Angaben machen. Bekannt ist nur, dass sie in Bad Schwartau bei Lübeck lebt, verheiratet ist und drei Kinder hat.

Doch für Polizei und Staatsanwaltschaft ist sie kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2011 hatte sie ein totes Baby auf einem Friedhof in Bad Schwartau zwischen zwei Gräber gelegt. Friedhofsbesucher hatten die Leiche des kleinen Mädchens gefunden. Erst nach Wochen führte ein Hinweis einer Nachbarin zu der Mutter. Diese sagte damals aus, das Kind sei leblos zur Welt gekommen. Ihre Aussage konnte nicht widerlegt werden, deshalb gab es keine Ermittlungen gegen die Mutter.

«Auch jetzt haben wir bislang keine Ansatzpunkte für strafrechtliche Ermittlungen», sagte Anders. Wegen des Zustandes der Leichen sei es fraglich, ob die Gerichtsmediziner noch feststellen könnten, ob die Babys bei der Geburt gelebt haben, sagte er.

Da es zunächst keine Hinweise auf eine Straftat gab, wurde die Frau nicht festgenommen. Am Mittwoch entzog sie sich allerdings einer gynäkologischen Untersuchung zur Prüfung des Verdachts auf eine vor kurzem geendete Schwangerschaft. Daraufhin fahndete die Polizei nach der Tatverdächtigen und entdeckte sie in Hamburg. Dabei fanden sie bei der Frau den Schlüssel zum Schließfach im Hauptbahnhof.