Wettbewerbsbericht vorgestellt EU hält deutsche Industrie für fit

Von Detlef Drewes

Die EU sieht die deutsche Industrie insgesamt gut aufgestellt. Das Bild zeigt einen Mitarbeiter beim Autozulieferer ElringKlinger in Baden-Württemberg. Foto: dpaDie EU sieht die deutsche Industrie insgesamt gut aufgestellt. Das Bild zeigt einen Mitarbeiter beim Autozulieferer ElringKlinger in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Brüssel. Deutschland steht wieder einmal glänzend da. Innerhalb der EU gehört die Bundesrepublik neben Dänemark, den Niederlanden und Irland zu den Volkswirtschaften mit „hoher und wachsender Wettbewerbsfähigkeit“. Das geht aus dem Jahresbericht 2014 der Europäischen Kommission hervor, der am Donnerstag in Brüssel vorgestellt wurde.

Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweden, Finnland – sie alle landen schon in einer Ländergruppe, die deutlich abgeschlagen ist. Sorgenkind Griechenland bestätigen die EU-Statistiker immerhin eine „moderate, aber zunehmende Wettbewerbsfähigkeit“. Aber immerhin deutlich vor den Schlusslichtern Slowenien, Bulgarien, Kroatien, Malta und Zypern.

Die De-Industrialisierung schreitet unaufhörlich voran. Ganze 15,1 Prozent der Wertschöpfung in allen Mitgliedstaaten steuert das verarbeitende Gewerbe bei. Das ist zwar ein leichter Anstieg gegenüber dem Rezessionsjahr 2009 (14,8), doch das Ziel von 20 Prozent im Jahr 2020 scheint immer unerreichbarer. „Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen“, sagte der Brüsseler Industriekommissar Ferdinando Nelli Feroci gestern bei der Vorstellung des Berichtes .

Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Italien bescheinigte die Kommission eine hohe Wettbewerbsfähigkeit, die aber stagniere oder sich sogar verschlechtere. Eine Verbesserung in diesem Punkt sei Kern der nötigen Strukturreformen in Frankreich, betonten die EU-Fachleute. Ein Grund zu „großer Sorge“ sei die geringe Ertragskraft der französischen Industrie.

Auch in der Bundesrepublik gibt es noch viel zu tun. Bei den Investitionen schafft Deutschland gerade mal den 19. Platz – nicht nur in den USA und Südkorea, sondern auch in den ehrgeizigen baltischen Staaten ist der Einsatz in Produktionstechniken höher. Denn die drei Länder bemühen sich intensiv, ihre bisher schlechte Gesamtposition zu verbessern. Bei den Kenntnissen und Fähigkeiten erreicht die Bundesrepublik zwar den neunten Rang und liegt damit über dem EU-Durchschnitt. Aber auch hier haben Litauen, Estland und Lettland eine Bildungsoffensive gestartet und führen deshalb die Gruppe der Europäer an. Beim Zugang zum Weltmarkt musste Deutschland nach den Erkenntnissen der Kommission sogar Rückschritte hinnehmen .

Die Gründe für die Risiken der deutschen Industrie liegen laut Brüssel auf der Hand: Zum einen gefährden die hohen Energiepreise die Wettbewerbsvorteile – immerhin müssen deutsche Unternehmen die vierthöchsten Energiekosten der EU verkraften. Außerdem seien die Lasten durch staatliche Abgaben zu hoch, die Verwaltungsstrukturen, die Investitionen bremsen, zu starr. „Die Herausforderungen sind immens“, kommentierte der FDP-Europapolitiker Michael Theurer.

Das sieht die Kommission nicht anders. 3,5 Millionen Jobs seien in der Industrie aller Mitgliedstaaten seit 2008 verloren gegangen. Branchenübergreifend müsse mehr investiert werden. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe in einigen Mitgliedstaaten litten aber weiter unter der Kreditklemme. Zwar habe die Europäische Zentralbank hier wichtige Weichen gestellt, indem sie Geld für die Banken billiger gemacht habe. Aber der Effekt sei „noch nicht durchgeschlagen“. (Mit Reuters)