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10.09.2014, 07:30 Uhr NEUER IRAKISCHER REGIERUNGSCHEF

Haidar Al Abadi hat eine hauchdünne Chance

Kommentar von Christian Schaudwet

Der neue Mann an der Spitze der bedrängten irakischen Regierung: Haidar Al Abadi. Foto: ReutersDer neue Mann an der Spitze der bedrängten irakischen Regierung: Haidar Al Abadi. Foto: Reuters

Osnabrück. Nach der Bildung einer neue Regierung im Irak setzt Ministerpräsident Haidar al-Abadi nach eigenen Worten den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) an die erste Stelle. Er steht vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Der neue irakische Regierungschef muss die einander misstrauisch beäugenden Sunniten, Schiiten und Kurden und eine demoralisierte Armee auf den Kampf gegen die Fanatiker des „Islamischen Staats“ einschwören.

Doch schon jetzt kündigen sich in der Koalition, die noch gar keine ist, tiefe Zerwürfnisse an – besonders im Verhältnis Bagdads zu den militärisch wichtigen Kurdenorganisationen im Norden.

Al-Abadi hat nur dann eine Chance, wenn ihm eine Annäherung der unterschiedlichen Gruppen oder gar ein Interessenausgleich gelingt und wenn er sich glaubwürdig von seinem polarisierenden Vorgänger Nuri al-Maliki absetzt.

Als wäre das nicht schwierig genug, kommt eine weitere Bedingung hinzu: Al-Abadi braucht gegen den IS wesentlich entschiedenere Hilfe des Westens, als dem in Misskredit geratenen Al-Maliki zuteil wurde. Zwar werden die USA ihre Operationen gegen die islamistische Terrormiliz voraussichtlich ausweiten. Zwar können die kurdischen Einheiten und die irakische Armee mit neuen Waffenlieferungen rechnen. Beides aber garantiert noch keinen dauerhaften Erfolg gegen den IS und schon gar nicht den Bestand des irakischen Staates.

Der neue Premier hat die Unterstützung der USA, doch das ist kein Beleg für seine Fähigkeiten. Auch Nuri al-Maliki, der sein Land ins Chaos steuerte, war einst ein Mann Washingtons.


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