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08.09.2014, 20:07 Uhr KOMMENTAR

Zu viele Überstunden: Wenn Beschäftigte verheizt werden

Kommentar von Uwe Westdörp

Wenn nach dem offiziellen Dienstschluss noch lange nicht Schluss ist: Ein Angestellter macht Überstunden. Foto: dpaWenn nach dem offiziellen Dienstschluss noch lange nicht Schluss ist: Ein Angestellter macht Überstunden. Foto: dpa

Osnabrück. Arbeitnehmer in Deutschland machen nach einer EU-Studie im Schnitt mehr Überstunden als ihre Kollegen in den anderen Euro-Ländern. Nach Daten aus dem Jahr 2012 liegt die vereinbarte Wochenarbeitszeit in Deutschland bei durchschnittlich 37,7 Stunden - tatsächlich arbeiteten die Beschäftigten aber im Mittel 40,5 Stunden, also 2,8 Stunden die Woche mehr. Das birgt viele Risiken.

Von nichts kommt nichts. Die Deutschen sind nicht erst seit dem „Wirtschaftswunder“ bekannt für Pünktlichkeit, Gründlichkeit und Fleiß. Da lassen sie sich so schnell nichts vormachen.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Immer mehr Beschäftigte klagen über Stress und Überforderung. Überstunden, ständig neue Aufgaben, Schichtarbeit, Rufbereitschaften – all das fordert einen hohen Tribut. Die jährlichen Fehltage ausgebrannter Mitarbeiter gehen in die Millionen. Burn-out droht zu einer Volkskrankheit zu werden.

Die Überstunden-Statistik der EU, nach der Deutschland eine Spitzenstellung in der Euro-Zone einnimmt, wirft nun ein weiteres besorgniserregendes Schlaglicht auf die Arbeitswelt. Zwar ist längst nicht jede Stunde Mehrarbeit negativ zu sehen. So kann es notwendig sein, spontan auf eine besonders hohe Nachfrage zu reagieren.

Kritisch wird es aber, wenn es keinen Ausgleich für Überstunden gibt. Und wenn diese zur Regel werden, weil die Aufgaben sonst nicht mehr zu schaffen sind. Dies ist schlicht Ausbeutung – noch dazu mit bösen Folgen: So dröge Arbeitsmarktstatistiken oft erscheinen, immer verbergen sich dahinter menschliche Schicksale.

Eine humane Arbeitswelt ist zugleich auch ökonomisch der einzig richtige Weg. Denn der Wettbewerb um Fachkräfte wird immer härter. Und bestehen wird ihn nur, wer fair mit seinen Mitarbeitern umgeht, anstatt sie zu verheizen.


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