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07.09.2014, 18:09 Uhr

Erfolg für schottische Nationalisten: Schock für England

Kommentar von Esther Alves

Wie geht es weiter mit Schottland? Am 18. September wird darüber entscheiden. Foto: dpaWie geht es weiter mit Schottland? Am 18. September wird darüber entscheiden. Foto: dpa

Osnabrück. Es ist nur eine Umfrage, aber sie dürfte die eine oder andere Teetasse in London zum Scheppern gebracht haben: Bis vor Kurzem haben viele Politiker in England das Unabhängigkeitsgebaren der Schotten noch belächelt. Nun ist plötzlich eine knappe Mehrheit dafür, sich vom Königreich Großbritannien abzuspalten.

Auch wenn eine zweite Umfrage am Wochenende etwas anders verlief – da waren nur 48 Prozent für die Unabhängigkeit –, so ist doch inzwischen klar: Am 18. September ist alles möglich.

Passenderweise hält sich die Queen zurzeit in ihrem schottischen Schloss Balmoral auf, quasi im Epizentrum der britischen Zukunft. Dort beriet sie sich mit Premierminister David Cameron – höchstwahrscheinlich darüber, was man den Schotten in den verbleibenden eineinhalb Wochen anbieten kann. Noch mehr Selbstverwaltung? Es ist äußerst fraglich, ob das reichen wird. Denn damit die Schotten endlich über ihr Geld verfügen dürfen, wie sie es fordern, müsste England schon an seiner Staatsstruktur rütteln und etwa ein föderales Großbritannien errichten – oder aber die Schotten ziehen lassen.

Ein Gelingen des Referendums dürfte aus EU-Sicht jedenfalls kein Drama sein: Während die Anti-Europa-Partei Ukip in England Erfolge einfährt und ein EU-Austritt Großbritanniens droht, wäre ein unabhängiges Schottland – allein aus wirtschaftlichen Gründen – dem europäischen Bündnis sicher wohlgesonnen.


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