Handwerk: Hohe Standards Ausländische Kräfte oft nicht gut genug

Fachkräfte sind dringend gesucht, vor allem Klempner und Mechatroniker. Foto:dpaFachkräfte sind dringend gesucht, vor allem Klempner und Mechatroniker. Foto:dpa

Osnabrück. Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) hat die Darstellung zurückgewiesen, wonach ausländische Facharbeiter Deutschland meiden. In einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke gestern in Berlin, das Problem sei, dass die beruflichen Bildungssysteme in Staaten außerhalb der EU oft nicht deutschen Standards entsprächen.

„Es ist nicht leicht, beruflich hoch qualifizierte Facharbeiter in Drittstaaten zu finden“, sagte Schwannecke angesichts wachsender Engpässe in Deutschland. Die Zuwanderungsbedingungen für beruflich Qualifizierte aus dem Ausland seien gelockert worden und „geradezu vorbildlich“.

In Asien und Afrika bemühe sich die deutsche Wirtschaft inzwischen, duale Ausbildungsgänge nach deutschem Vorbild zu installieren. Das Handwerk arbeite daran aktiv mit. Nach den Worten von Schwannecke ist ein weiteres Problem , dass in den infrage kommenden Staaten Fremdsprachen oft nur von Akademikern beherrscht würden. Zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache sollten jedoch vorhanden sein.

Das Handwerk setzt nach Angaben des Generalsekretärs vor allem auf Zuwanderung von Fachkräften und Auszubildenden aus den EU-Staaten . Gleichzeitig würden die vorhandenen Potenziale in Deutschland aktiviert – beispielsweise über die Qualifizierung von Hilfskräften oder das Angebot der Ausbildung von über 25-Jährigen ohne Qualifikation, betonte Schwannecke.

Nach einem Bericht der Zeitung „Welt“ haben Erleichterungen für Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern seit Juli 2013 lediglich 170 beruflich qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland geführt. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

In Deutschland werden bis 2020 rund 1,4 Millionen Facharbeiter in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen fehlen. Die Zeitung „Bild am Sonntag“ („BamS“) berief sich auf ein Positionspapier des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Nach den Worten von DIHK-Präsident Eric Schweitzer dürften sich die Jobchancen für Beschäftigte mit einer Berufsausbildung künftig deutlich verbessern. „Die Berufsaussichten für dual Ausgebildete sind schon heute gut, aber sie werden sich in den nächsten zehn Jahren noch sehr viel positiver entwickeln“, sagte Schweitzer dem Blatt.

Trotz eines wachsenden Frauenanteils in mathematisch-naturwissenschaftlichen Berufen fehlt es nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) weiterhin an weiblichem Technik- und Informatik-Nachwuchs. So habe der Anteil junger Frauen an den 42500 Studienanfängern im Fach Informatik im Jahr 2012 lediglich bei 22 Prozent gelegen. Im Fach Elektrotechnik habe ihr Anteil an den 26500 Erstsemestern sogar nur 12,3 Prozent, in den Studienfächern Verkehrstechnik und Nautik sogar nur 11,3 Prozent ausgemacht. heißt es in der Studie.


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