Bremens Senator will Smartphone-Diebe stoppen Handyklau: Telekom gegen Geräte-Sperrung durch Provider

Von Melanie Heike Schmidt


Osnabrück. Kampf dem Handyklau: Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will seinen Kollegen von der am Mittwochabend in Bonn gestarteten Innenministerkonferenz vorschlagen, den Diebstahl von Handys,Smartphones und Tablets unattraktiv zu machen – mithilfe der Gerätenummer IMEI. Die Telekom ist dagegen.

Die Provider müssten „sich verpflichten, diese bei Diebstahl für ihre Netze zu sperren. Dann können die Diebe mit ihrer Beute nichts mehr anfangen“, sagte Mäurer im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Rufnummern-Sperre nütze „wenig bis nichts“. „Die Diebe wechseln die Karte aus – und nutzen das Handy weiter.“ Mache man aber das Gerät unbrauchbar, sei es auch „für Diebe wertlos“, so Mäurer.

Telekom dagegen

Die Deutsche Telekom, einer der vier Provider im Land, findet das „aus mehreren Gründen nicht sinnvoll“, wie Sprecher Philipp Blank auf Nachfrage unserer Zeitung sagte. Es komme vor, dass „Endgeräte die gleiche IMEI haben. Eine Sperrung könnte also den falschen Kunden treffen“. Zudem könne „die IMEI durch Kriminelle manipuliert werden, was die Sperrung hinfällig“ mache, sagte Blank. Mäurer verweist darauf, dass man dafür „spezielles Wissen“ benötige. Zumindest für „einen Großteil der Diebe würde der Handyklau sich in der Zukunft nicht mehr lohnen“, sagte Mäurer weiter. „Angesichts Hunderttausender geklauter Geräte wäre das ein echter Fortschritt“, findet er.

Auf Deutschland beschränkt

Obendrein würde so eine Sperrung nicht im Ausland gelten, gibt der Telekom-Sprecher zu bedenken. „Die gestohlene Ware könnte also dahin geschafft werden, um die Sperrung zu umgehen.“ Das ist auch Mäurer klar, doch seine Interpretation ist eine andere: „Sofern die Diebe nicht international handeln, könnte man sie damit treffen. Zumindest für Deutschland wäre damit schon viel geholfen. Doch es wäre sicher auch sinnvoll, auf EU-Ebene darüber zu sprechen und hier eine Regelung zu finden.“

Zunächst setzt Mäurer auf Gespräche: „Die Bundesregierung hat diese Idee bisher nie gefördert. Wir hoffen in dieser Sache jetzt auf die Kooperation mit den vier Providern, die es in Deutschland gibt. Ihnen sollte man die Gelegenheit geben, zu reagieren. Andernfalls wäre aber auch eine gesetzliche Regelung denkbar.“ Letzteres könnte notwendig werden.

Verweis auf Gerätehersteller

Die Telekom jedenfalls hat eine andere Idee: „Besser“ sei „das gemeinsame System, auf das sich große Endgerätehersteller bereits geeinigt haben“, sagte Blank. Dieses System namens „Smartphone Anti-Theft Voluntary Commitment“ soll Mitte 2015 umgesetzt werden. „Dabei wird eine Sperrfunktion über eine individuelle PIN integriert. Zum einen ist hierbei eine eindeutige Zuordnung zu einem Endgerät möglich. Zum anderen lässt sich ein einmal gesperrtes Handy nicht einfach durch Überschreibung der Software reaktivieren. Damit sinkt der Weiterverkaufswert im Falle eines Diebstahls deutlich“, erklärt Blank.

Pläne nur für die USA

Zwar sind bei diesem System praktisch alle namhaften Hersteller von Apple bis Samsung mit im Boot, allerdings gibt es einen Haken: Es ist derzeit nur für den US-amerikanischen Markt geplant.

Dabei drängt das Problem auch in Deutschland, denn die Zahlen sind erschreckend: Bundesweit sind derzeit 1,6 Millionen Mobilgeräte als gestohlen gemeldet. Außerdem, so Innensenator Mäurer, entstehe durch Handyklau „ ja nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden“. Häufig seien Kinder und Jugendliche Opfer dieser Raubzüge, sie würden „geschlagen oder getreten, was zu körperlichen und auch zu psychischen Problemen führen kann“, mahnte er abschließend.

Der Innensenator des kleinsten Bundeslandes Bremen will seine Idee nun seinen Kollegen der Innenministerkonferenz präsentieren. Das Gremium tagt von Mittwochabend bis Freitag in Bonn.