Ex-Außenminister lehnt Sanktionen ab Genscher: Verständigung mit Russland notwendig

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Osnabrück. Der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) sieht nach der Wahl in der Ukraine am Sonntag die Chance einer Stabilisierung des Landes. Wichtige gemäßigte Kräfte im Osten der Ukraine wollten zwar mehr Autonomie, allerdings nicht den Beitritt zu Russland, sagte Genscher in Osnabrück.

Der ehemalige Außenminister äußerte auf einer Veranstaltung des Industriellen Arbeitgeberverbandes Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim Verständnis für den russischen Präsidenten. Er mahnte, auch dessen Interessen zu sehen: Wladimir Putin versuche, Russland zu modernisieren und in der internationalen Staatenwelt den Zustand alter Größe wiederherzustellen.

„Man wird zu einer Verständigung mit Russland kommen müssen“, betonte Genscher. Manche Politiker verfolgten im Westen das Ziel, eine Trennungslinie aus der Mitte Europas an die Westgrenze Russlands zu verschieben, merkte er kritisch an. Eine Reihe von Problemen in der Welt sei aber ohne Moskau nicht zu lösen, sagte Genscher und nannte als Beispiele den Iran und Syrien. Auf Sanktionen gegen Russland angesprochen, antwortete er: „Ich halte davon nicht allzu viel.“

Der schwarz-roten Bundesregierung bescheinigte der FDP-Politiker eine „verantwortungsvolle und konstruktive Außenpolitik“. Sie schlage mit einem maßvollen Ton und einer in der Sache sehr klaren Meinung den richtigen Weg ein.

Deutschland kommt nach Genschers Worten als Staat mit dem größten Gewicht innerhalb der Europäischen Union (EU) eine besondere Verantwortung für eine neue Weltordnung zu. Diese Weltordnung sei eine „Weltnachbarschaftsordnung“, denn „es gibt keine entfernten Gebiete mehr“. Zugleich sei gerade Deutschland in der EU das Land mit den meisten Nachbarn und daher auf gute Nachbarschaft angewiesen.

„Europa ist ein Glücksfall nicht nur für uns“, sagte Genscher und forderte, Europa fortzuentwickeln. Sollte es mit der EU auseinandergehen, würde sich das nach seiner Einschätzung global auswirken.

Rückblickend sprach der 87-Jährige über seine Begegnungen mit Michail Gorbatschow und den Fall der Berliner Mauer. 1989/1990 seien die Europäer sich emotional so nahe gewesen „wie nie zuvor in der europäischen Geschichte“.

Ein Interview mit Genscher zur Europawahl ist zu sehen auf www.os1.tv


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