Ein Bild von Franziska Kückmann
06.04.2014, 17:01 Uhr

Ruhiger Wahltag in Afghanistan: Zu früh für Euphorie

Ein Kommentar von Franziska Kückmann




Osnabrück. Entgegen allen Befürchtungen hat Afghanistan einen geordneten Wahltag erlebt. Die oft kritisierten Sicherheitskräfte haben gute Arbeit geleistet. Nun liegt es in den Händen der staatlichen Behörden, den Erwartungen der Bevölkerung gerecht zu werden.

Der Wahltag in Afghanistan hat wenige blutige und viele beeindruckende Bilder geliefert . Zwar kamen auch Menschen bei Anschlägen ums Leben – wie beinahe jeden Tag in diesem Land. Doch dominiert haben Fotos von Männern und Frauen, die trotz der Anschlagsdrohungen der Taliban in langen Schlangen vor den Wahllokalen ausharrten, um ihre Stimme abzugeben. Dafür gebührt ihnen Respekt.

Ein Urnengang unter Lebensgefahr – solche Wahlbedingungen sind in Europa unvorstellbar. Sie zeigen, wie weit Afghanistan noch von einem funktionierenden demokratischen Rechtsstaat entfernt ist.

Dass das Land den ersten Schritt auf dem Weg zu einem friedlichen Machtwechsel gemeistert hat, ist auch den afghanischen Sicherheitskräften zu verdanken, die überall präsent waren. Ihre Taktik ist aufgegangen. Gerade weil sie in der Vergangenheit immer wieder als schwach und wirkungslos in der Kritik standen, ist der erfolgreiche Wahltag auch ihr Triumph.

Mit ihrer Stimmabgabe haben die Afghanen gezeigt, dass sie ihre Hoffnungen in den Zentralstaat und nicht in extremistische Gewalt setzen. Nun liegt es in den Händen der staatlichen Behörden, den Erwartungen der Bevölkerung gerecht zu werden. Je transparenter und fairer die Auszählung der Stimmen abläuft, desto größer ist die Chance, dass alle Kandidaten das Ergebnis anerkennen und der Wechsel im Präsidentenamt tatsächlich reibungslos verläuft . Vorher ist es für Euphorie zu früh.


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