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04.04.2014, 17:03 Uhr

Wahlen in Afghanistan: Die wahre Gefahr

Ein Kommentar von Franziska Kückmann


Polizeipräsenz in Kabul. Foto: dpaPolizeipräsenz in Kabul. Foto: dpa

Osnabrück. Die tödlichen Schüsse auf eine deutsche Kriegsreporterin rücken kurz vor den Präsidentenwahlen in Afghanistan die schlechte Sicherheitslage am Hindukusch in den Fokus.

Auch wenn die Taliban in diesem Fall ihre Unschuld beteuern: An erster Stelle sind sie es, die seit Monaten die Wahlvorbereitungen durch Anschläge sabotieren und mit ihrer Gewalt ein Klima der Angst schüren.

Umso mehr beeindruckt, dass offenbar ein großer Teil der Bevölkerung bereit ist, dennoch seine Stimme abzugeben. Es wäre ein starkes Signal, würden viele Menschen den Drohungen der Extremisten trotzen und den gefährlichen Gang zur Urne wagen.

Dabei werden auch diese Wahlen kaum ohne Manipulationen ablaufen – diese Illusion macht sich niemand. Zu schlecht sind die Erfahrungen früherer Abstimmungen, zu viele Ungereimtheiten gab es im Vorfeld, etwa durch käufliche Stimmzettel.

Womöglich ist gerade dies das noch größere Risiko für die labile Stabilität Afghanistans als der Terror der Taliban: dass die Hoffnungen, die die Wähler in den demokratischen Prozess setzen, enttäuscht werden. Die Menschen sind bereit, den staatlichen Strukturen einmal mehr eine Chance zu geben. Lautet die Antwort auf diesen Vertrauensvorschuss erneut Fälschung und Korruption, könnten sie sich angewidert abwenden. Schlimmstenfalls bauen sie dann künftig wieder auf das Recht des Stärkeren.


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