Nach 16 Jahren Landtag Warmherziger Abschied für McAllister

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Hannover. Es war ein warmherziger Abschied: Mit minutenlangem Beifall, Umarmungen, Blumen und kleinen Präsenten bedachten die Abgeordneten des niedersächsischen Landtages am Mittwoch Ex-Ministerpräsident David McAllister, der nach 16 Jahren sein Mandat niederlegte und nun eine neue Herausforderung im Europaparlament sucht.

Als der CDU-Politiker am Morgen zu Abschiedsworten ans Rednerpult trat, wurde es mucksmäuschenstill im Plenarsaal. „Es waren spannende Jahre, es waren ereignisreiche Jahre, es waren schöne Jahre“, bemerkte der CDU-Politiker und dankte allen, die ihn in dieser Zeit – ob aus den eigenen Reihen oder von der politischen Konkurrenz – begleiteten.

Als 27-jähriger „Jungspund“ war der Sohn eines schottischen Militärbeamten und einer deutschen Musiklehrerin 1998 in das Landesparlament eingerückt. Er machte schnell und steil Karriere: 2002 Generalsekretär der CDU Niedersachsen, 2003 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, 2008 CDU-Landeschef, 2010 Ministerpräsident.

Der Landtag bildete dabei stets die zentrale Bühne. 455 Reden schwang McAllister in diesen 16 Jahren im tristen Plenarsaal des Leineschlosses – rhetorisch brillant, aber bisweilen auch mit so viel Pfeffer, dass er sich laut Statistik sieben Ordnungsrufe einhandelte. „Das war wohl noch in meinen Sturm- und Drangjahren“, scherzte der 43-Jährige.

Nach der Landtagswahl im Januar 2013, bei der McAllister trotz großer Popularität hauchdünn verlor, war der Jurist aus Bad Bederkesa aber nicht mehr als Redner im Landesparlament in Erscheinung getreten.

Seinen nunmehr letzten Auftritt schloss „Mac“, wie er von Freund und Feind gerufen wird, nun mit einem eindringlichen Appell: Auch künftig sollte im Landtag über alle Parteigrenzen hinweg Einigkeit bei der Förderung Europas herrschen. Von diesem Projekt profitiere auch Niedersachsen ganz stark, versicherte McAllister, der dem amtierenden Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) ausdrücklich Unterstützung in allen Belangen des Landes in Brüssel anbot.

Landtagspräsident Bernd Busemann zollte dem Weil-Vorgänger Anerkennung: „David McAllister haben wir als hervorragenden Parlamentarier erlebt, der als Mensch und Persönlichkeit die Herzen aller gewonnen hat“.

Und als wollten sie das demonstrativ unterstreichen, gaben Vertreter aller Parteien dem 43-Jährigen gute Wünsche und teils originelle Geschenke mit auf den Weg – von einem „Europakuchen“ über eine gelbe Warnweste der FDP-Europafraktion bis zu einem Spanisch-Wörterbuch für etwaige Verhandlungen mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia.

Den freien Platz von McAllister nahm eine bekannte Politikerin ein: Aygül Özkan, die frühere Sozialministerin. Die 42-Jährige rückte nach, weil der vor ihr auf der CDU-Liste platzierte Ex-Kultusminister Bernd Althusmann auf ein Mandat verzichtete. Der 47-Jährige ist heute für die Konrad-Adenauer-Stiftung in Namibia aktiv.

Fraglich ist im Übrigen, ob der nächste Nachrücker-Kandidat bei der CDU das Mandat annehmen würde: Ex-Innenminister Uwe Schünemann bewirbt sich um das Bürgermeisteramt im westfälischen Höxter, einem Nachbarort seines Wohnsitzes Holzminden. Sollte der 49-Jährige am 25. Mai in Höxter gewählt werden, würde die Braunschweigerin Heidemarie Mundlos beim Ausscheiden eines weiteren CDU-Abgeordneten wieder in das niedersächsische Landesparlament einziehen.


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