Warnung vor historischen Verweisen Friedensforscher: Kalter-Krieg-Rhetorik führt zu Fehlschlüssen

Der Konflikt schwelt: In Kiew bewachen Selbstverteidigungskräfte das Parlament. Foto: ImagoDer Konflikt schwelt: In Kiew bewachen Selbstverteidigungskräfte das Parlament. Foto: Imago

Osnabrück. Der Direktor des Zentrums für Demokratie- und Friedensforschung der Universität Osnabrück, Ulrich Schneckener, kritisiert den verbreiteten Rückfall in die Rhetorik des Kalten Krieges in der Krim-Krise.

Vor einer „neuen Spaltung Europas“ hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) unlängst gewarnt, andere Stimmen beschwören in der Krim-Krise eine neue Ost-West-Konfrontation herauf. Der Friedensforscher Ulrich Schneckener warnt jedoch davor.

Weshalb passt der historische Bezug nicht? „Die Rede vom ,neuen Kalten Krieg‘ verweist auf ein typisches Problem historischer Analogieschlüsse: Politische Entscheidungsträger nutzen solche Bilder, um vermeintliche ,Ähnlichkeiten‘ mit vergangenen Situationen in die eigenen Argumentationen einzubauen“, sagte Schneckener unserer Zeitung. Dies führe zu „Fehlschlüssen“.

Wo liegen die Unterschiede? Die globale Situation sei eine andere als vor wenigen Jahrzehnten. Diese Unterschiede würden ausgeblendet. „Ich erkenne keine globale Systemkonkurrenz zwischen West und Ost“, sagte der Politologe, „und das auch nicht in der Rhetorik von Kremlchef Wladimir Putin .“

Wohin führen die Sanktionen? Vor einer „Spirale wechselseitiger Sanktionen “ warnte der Friedensforscher. „Abgestufte Sanktionen machen nur dann Sinn, wenn sie jeweils an realistische Forderungen gekoppelt sind.“ Nur dann bestünde die Chance, schrittweise zu einer Normalisierung der Beziehungen zurückzukehren. So plädierte er dafür, Sanktionen gegen Russland nicht an den Status der Krim zu knüpfen, sondern an einen ernsthaften Dialog zwischen Kiew und Moskau, um die Ukraine zu innerer Stabilität zurückzuführen und bilaterale Fragen, die sich über die Krim hinaus ergeben, zu lösen.


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