Modernes Gefechtsübungszentrum Rheinmetall macht Putins Truppen fit

Von Christian Schaudwet

Liefert an die russischen Streitkräfte: der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall Foto: dpaLiefert an die russischen Streitkräfte: der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall Foto: dpa

Osnabrück. Der Riese Russland demonstriert die Macht seiner Waffen. Die Truppen, die derzeit nahe der ukrainischen Grenze in groß angelegten Manövern üben, sind nicht mehr jene verschüchterten, schlecht ausgerüsteten Rekruten, die nach dem Zusammenbruch des Sowjetreichs das Bild von den russischen Streitkräften prägten. Präsident Wladimir Putin hat Milliarden in die Aufrüstung des russischen Arsenals gesteckt. Geholfen haben ihm dabei nicht zuletzt europäische Unternehmen – auch ein deutsches.

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Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall, der an diesem Mittwoch seine Jahresbilanz vorlegt, errichtet für 100 Millionen Euro ein modernes Gefechtsübungszentrum bei der Militärstadt Mulino in der Wolga-Region. Dort soll die russische Armee den kombinierten Einsatz von Panzern und Infanterie trainieren. Aus Deutschland gelieferte Simulations-, Kommunikations-, Video- und Datenverarbeitungssysteme werden ihr dabei helfen, und das schon bald: Mulino soll noch 2014 in Betrieb gehen. Laut einer Rheinmetall-Pressemitteilung verfügt Russland dann über das „fortschrittlichste simulationsunterstützte militärische Trainingsgelände der Welt“, das die Kampffähigkeit von jährlich 30000 Soldaten schärfen könne.

Das russische Interesse an dem deutschen Hightech-Parcours ist für Piet Wezeman keine Überraschung. Russland habe aus Fehlern während seines Feldzuges in Georgien 2008 gelernt, sagte der Experte für Waffenhandel beim Stockholmer internationalen Friedensforschungsinstitut (SIPRI) unserer Zeitung. „Dieses Übungszentrum wird niemanden töten können, aber es hilft dem russischen Heer, seine Fähigkeiten zu verbessern und zu professionalisieren.“

Angesichts der Krim-Konfrontation erhebt sich Protest gegen das Rheinmetall-Projekt: Der Vorsitzende der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen, Tilman Zülch, forderte, der für Rüstungsexportgenehmigungen zuständige Bundessicherheitsrat müsse „den Bau des Heeres-Ausbildungszentrums unverzüglich stoppen und ein klares Zeichen an Russland senden.“ Doch Rheinmetall hat nicht vor, in Mulino den Schraubenschlüssel fallen zu lassen. Das Unternehmen teilte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung mit, es komme „seinen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem russischen Vertragspartner für das Trainingszentrum nach“. Im Moment sehe man keine Risiken für eine termingerechte Lieferung und wolle über die Folgen einer etwaigen weiteren Klimaverschlechterung mit Russland nicht spekulieren.

Modernisierungshilfe für die russischen Streitkräfte kommt aber nicht nur aus Deutschland: Frankreich steht bei Putin im Wort, der russischen Marine zwei Mistral-Hubschrauberträger zu liefern – solche hätte die russische Schwarzmeerflotte während des Georgienkrieges gut gebrauchen können.

Russlands wichtigster Lieferant von Rüstungstechnik in der EU war nach SIPRI-Untersuchungen zwischen 2009 und 2013 die Tschechische Republik, gefolgt von Italien und Frankreich. Tschechien lieferte sieben leichte Transportflugzeuge, die Italiener 60 leichte Iveco-Panzerfahrzeuge vom Typ M-65E. Auch italienische Centauro- und Freccia-Panzerfahrzeuge wurden in Russland getestet. Inzwischen wurde es allerdings der russischen Waffenindustrie und ihrer Lobby zu bunt. Warum italienisch kaufen, wenn Russland selbst ein vergleichbares Modell, den Gaz Tigr, im Angebot hat? Der Protest zeigte in Moskau Wirkung. Statt wie geplant mehrerer hundert Ivecos wurden nur 60 angeschafft.

Aus Frankreich verkaufte die Thales-Gruppe Russland Thermalkameras für seine T-90-Kampfpanzer. Und Renault Defence und der finnische Hersteller Patria konkurrierten 2013 um den Bau eines Radpanzers in Kooperation mit russischen Waffenschmieden.

Seit zehn Jahren etwa steige das Interesse westlicher Rüstungskonzerne am russischen Markt deutlich“, sagt SIPRI-Forscher Wezeman. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Kooperationen fortgesetzt oder noch ausgebaut werden, hält er für gering. Wezeman rechnet früher oder später mit einem europäischen Rüstungsembargo gegen Russland.


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