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18.03.2014, 19:33 Uhr

Krim-Krise: Das Säbelrasseln bleiben lassen

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Die Tor‘ macht weit: Putin auf dem Weg zur Unterzeichnung des Abkommens über die Wiedervereinigung mit der Krim. Foto: dpaDie Tor‘ macht weit: Putin auf dem Weg zur Unterzeichnung des Abkommens über die Wiedervereinigung mit der Krim. Foto: dpa

Osnabrück. Höchste Zeit, auf den Boden der Tatsachen zurückzufinden. Und der sieht so aus: Russland wird die Krim behalten. Und das soll es auch ruhig. Ein Kommentar.

Nüchtern betrachtet, dienen andere Forderungen nur als Vorwand. Oder der Grund ist Gruppenzwang, damit Deutschland nicht wieder wie beim (völkerrechtswidrigen, nebenbei bemerkt) Bombardement Libyens als vermeintlich unzuverlässiger Bedenkenträger dasteht. So oder so, Wiederherstellungsforderungen mit Blick auf die Krim werden verpuffen und mit Gesichtsverlust enden – oder mit einer Eskalation bis hin zum Krieg. Also sollte man es lassen.

Darüber hinaus gibt es keine Fakten, die belegen, dass der russische Präsident mehr will als die Halbinsel Krim. Hier ist die rote Linie zu ziehen, hierzu hat Putin im Kreml aber auch glaubhaft Stellung bezogen. Auch sein Vergleich mit der deutschen Wiedervereinigung war geschickt. Mag er an vielen Stellen hinken, völlig von der Hand zu weisen ist er nicht. Vor allem nicht der Hinweis, dass es sie nicht ohne den Respekt der Russen gegeben hätte, die ihr Militär in den Kasernen ließen; wie es ohnehin eher der Westen war, der sich nach der Wende unzuverlässig verhielt und etwa sein Versprechen brach, die Grenzen der Nato nicht so weit wie möglich auszudehnen.

Hier und da finden sich inzwischen moderate Töne. Aber ansonsten dominiert im Westen immer noch das Säbelrasseln, das genau das Gegenteil dessen ist, was von Putin verlangt wird: zu deeskalieren. Als gäbe es in der übrigen Ukraine nicht genug zu tun: weitere ethnische Probleme, sich bereichernde Clans, faschistische Regierungsmitglieder, Kriegsgeschrei, paramilitärische Cliquen, tief marode Wirtschaft, desolate Staatsfinanzen. Genügt das nicht? Ist das nicht sogar so viel, dass gemeinsam mit Russland an einer Perspektive für die Ukraine abseits der Krim gearbeitet werden muss?


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