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News-Ticker Ukraine: Hälfte der Soldaten auf der Krim übergelaufen

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cbi/dpa Osnabrück/Kiew/Feodossija. Russische Soldaten nehmen einen ukrainischen Stützpunkt auf der Krim ein, kurz darauf ordnet die Ukraine den kompletten Rückzug seines Militärs von der Schwarzmeerhalbinsel an. Alle Infos, Analysen und Bilder im News-Ticker:

Update 20:15 Uhr:Der G8-Gipfel in Sotschi im Juni findet nicht statt. Stattdessen werden sich die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (G7) im Juni ohne Russland in Brüssel treffen, beschloss die Runde am Montag in Den Haag.

Update 17.10 Uhr: Auf der Krim ist nach ukrainischen Angaben etwa die Hälfte der Soldaten zu den russischen Truppen übergelaufen. Nach russischen Angaben waren zu Beginn des Konflikts gut 18.000 ukrainische Soldaten auf der Halbinsel. Weiterhin befänden sich aber ukrainische Kräfte innerhalb des „besetzten Territoriums“, sagte der stellvertretende Oberkommandierende Alexander Rosmasin am Montag in Kiew. Den verbliebenen Kriegsschiffen werde die Ausfahrt ins offene Meer verwehrt. Nach Medienberichten stand zudem die Übernahme des Landungsschiffs „Konstantin Olschanski“ kurz bevor. Der Anschluss der Krim an Russland wird international nicht anerkannt.

Update 15.45 Uhr: Die Grünen haben die Forderung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach einer starken Rolle der NATO in der Ukraine-Krise kritisiert. Die Vorschläge seien alles andere als zielführend, erklärte Grünen-Chefin Simone Peter am Montag in Berlin. „Ministerin von der Leyen setzt in der Verteidigungspolitik ihre übereifrige Ankündigungspolitik fort - mal wieder ohne Sinn und Verstand.“ Europa müsse trotz der russischen Annexion der Krim weiter diplomatisch vorgehen, um weitere Eskalationen zu verhindern. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin warf von der Leyen „leichtfertiges Gerede“ vor. Die Möglichkeiten der NATO, zur Deeskalation und zur Entspannung beizutragen, seien außerordentlich begrenzt.

Update 14.35 Uhr: Jetzt wittern Nationalisten ihre Chance: Zur Lösung der Krise in der Ukraine hat die russische Parlamentspartei des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski eine Aufteilung des Landes ins Spiel gebracht. Es seien Briefe an die Regierungen in Polen, Rumänien und Ungarn gegangen mit Vorschlägen, sich in den angrenzenden ukrainischen Gebieten für Volksentscheide einzusetzen, damit die Menschen dort wie auf der Halbinsel Krim über einen Anschluss an „historische Regionen“ entscheiden könnten. Das teilte Schirinowskis Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR) am Montag in Moskau mit. „Ich denke, dass nicht nur russische Erde wieder unter die russische Flagge zurückkehren sollte, sondern natürlich auch die westlichen Gebiete der Ukraine zu Polen, Ungarn und Rumänien“, hatte Schirinowski unlängst gesagt. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien in der Ukraine auf einem Staatsgebiet Völker zusammengekommen, die kulturell und psychologisch nichts gemein hätten. Die Westukraine wurde 1945 in der heutigen Form der damaligen Sowjetunion angeschlossen. Das polnische Außenministerium bestätigte den Erhalt eines offiziellen Schreibens der Partei der russischen Duma, äußerte sich aber nicht zum Inhalt. „Die Vorschläge sind so kurios, dass niemand sie ernst nimmt“, sagte der Sprecher des polnischen Außenministeriums, Marcin Wojciechowski.

Update 13.29 Uhr: Auch die russisch geprägte Ostukraine kommt nicht zur Ruhe: Das ostukrainische Gebiet Donezk fordert nun von der Regierung in Kiew eine größtmögliche Dezentralisierung. Das sagte der Vorsitzende des Gebietsparlaments, Andrej Schischazki, am Montag vor Journalisten in Donezk. „Ich bin für eine einige, ungeteilte Ukraine“, bekräftigte er. Doch Besonderheiten jeder Region müssten berücksichtigt werden. Sie sollten weitgehend über die von ihnen erarbeiteten Steuern bestimmen können. Die Führung in Kiew könne zudem Vertrauen im Osten gewinnen, wenn sie Russisch zur zweiten Staatssprache mache. Schischazki stellte klar, dass in Donezk kein Referendum vorbereitet wird. Prorussische Demonstranten fordern eine Volksabstimmung wie auf der Krim über einen Anschluss an Russland.

Update 12.50 Uhr: Nach dem international kritisierten Anschluss der Krim hat der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu als erstes Moskauer Regierungsmitglied die Halbinsel besucht. Demonstrativ ernannte Schoigu den übergelaufenen ukrainischen Marinechef Denis Beresowski zum Vizekommandeur der russischen Schwarzmeerflotte. Zudem habe der Minister mehrere Militäreinrichtungen inspiziert, meldete die Agentur Interfax am Montag. Mit der moskautreuen Führung der Krim habe Schoigu den Ausbau der Infrastruktur der Flotte besprochen. Kurz zuvor hatte die Ukraine den kompletten Abzug ihrer Truppen von der Krim angeordnet.

Update 12.30 Uhr: US-Präsident Barack Obama wählt deutliche Worte: „Wir sind einig darin, dass Russland für sein bisheriges Handeln bezahlen muss“, sagte er am Montag in Amsterdam nach einem Treffen mit dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte. Obama zeigte sich überzeugt, dass Wirtschaftssanktionen des Westens „erhebliche Folgen“ für Russland haben. „Europa und Amerika sind einig in unserer Unterstützung der ukrainischen Regierung und des ukrainischen Volkes“, sagte er.

Update 11.40 Uhr: US-Präsident Barack Obama und der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte haben Russlands Übernahme der ukrainischen Halbinsel Krim verurteilt. Man betrachte die Annexion „als eklatanten Bruch des internationalen Rechts“, sagte Rutte am Montag bei einem Auftritt mit Obama in Amsterdam. Die Anwesenheit so vieler Spitzenpolitiker bei dem Atomgipfel in Den Haag biete eine wichtige Gelegenheit, das Thema auf internationaler Ebene zu diskutieren. Obama unterstrich zum Auftakt seines mehrtägigen Europa-Besuchs die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen für die USA. Europa sei der wichtigste Partner Amerikas.

Update 11.20 Uhr: Deutsche Unternehmen legen angesichts der Krise auf der Krim Investitionen in Russland auf Eis. „Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden. Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK, Volker Treier, im ARD-„Morgenmagazin“. Auch deutsche Banken stuften Russland inzwischen als riskanteren Geschäftspartner ein und vergäben weniger Kredite. Treier betonte die Bedeutung Russlands als Wirtschaftspartner. In Russland seien 6200 deutsche Firmen mit 250.000 bis 300.000 Beschäftigten aktiv. Zugleich unterstützen aber auch deutsche Unternehmen die Aufrüstung Russland.

10.35 Uhr: Die Ukraine zieht ihr Militär von der Schwarzmeerhalbinsel Krim komplett ab. Das sagte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Montag in Kiew, wie örtliche Medien berichteten. Zuvor hatten russische Soldaten mithilfe von schwerem Militärgerät sowie Kampfhubschraubern auf der Krim einen der letzten ukrainischen Stützpunkte eingenommen. Am frühen Montagmorgen seien Spezialeinheiten in die Basis bei der Stadt Feodossija eingedrungen, dabei seien auch Schüsse zu hören gewesen. Das teilte der ukrainische Armeesprecher Wladislaw Selesnjow bei Facebook mit. 60 bis 80 ukrainische Soldaten seien festgenommen und der Kommandeur mit einem Hubschrauber fortgebracht worden. Russland hatte die Ukrainer nach dem international nicht anerkannten Anschluss der Krim zum Rückzug aufgefordert.

Was bisher geschah: Lesen Sie hier alles über die Ereignisse der vergangenen Woche.


Die Geschichte der Krim ist eine jahrhundertelange Abfolge von Krisen, Kämpfen und Kriegen:

1783: Nach Feldzügen gegen die Türken am Schwarzen Meer erobert die deutschstämmige Zarin Katharina die Große das Krim-Khanat der Tataren. Der Marinestützpunkt Sewastopol wird gegründet, die Ansiedlung von Russen in dem neuen Kolonisierungsgebiet beginnt.

1853-1856: Im Kampf Russlands gegen das Osmanische Reich stellen sich französische und britische Truppen auf die Seite der Türken. In dem dreijährigen Krimkrieg werden bis zu 200 000 Menschen getötet. Es sterben mehr Menschen an Vernachlässigung und Krankheit als im Kampf. Die als „Engel von Sewastopol“ bekanntgewordene Krankenschwester Florence Nightingale begründet dort die moderne Krankenpflege.

1918-1921: Gegen Ende des Ersten Weltkrieges besetzen deutsche Truppen von April bis November 1918 die Krim. Anschließend ist die Halbinsel im russischen Bürgerkrieg Basis der „Weißen“ im Kampf gegen die „Roten“, die russischen Revolutionäre. 1921 gliedern die Bolschewiki die Krim als autonomes Gebiet der russischen Sowjetrepublik an.

1941-1944: Im Zweiten Weltkrieg beginnt nach Hitlers Überfall auf die UdSSR eine 29 Monate deutsche Besatzung der Krim. Nach der Rückeroberung werden von Mai 1944 an mindestens 200 000 Krimtataren wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen deportiert. Auch etwa 5000 Krim-Deutsche werden vertrieben, deren Vorfahren zum Teil unter Katharina dort angesiedelt worden waren.

1954: Zum 300. Jahrestag der Vereinigung von Russen und Ukrainern macht der in der Ukraine aufgewachsene Kremlchef Nikita Chruschtschow die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim zu einem Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik.

1988: Unter Parteichef Michail Gorbatschow wird den Krimtataren die Rückkehr in die Heimat erlaubt, bis zu 250 000 kommen zurück.

1991: Die Sowjetunion zerfällt, die Ukraine erklärt im August ihre Unabhängigkeit. Moskau und Kiew hatten zuvor gegenseitig ihre Grenzen anerkannt. Im Dezember bestätigen 90 Prozent der Ukrainer in einem Referendum die Souveränität, auch auf der Krim gibt es eine Mehrheit.

1992: Die Regierung in Kiew verhindert ein von pro-russischen Kräften angestrebtes Referendum über die Unabhängigkeit der Krim. Als Zugeständnis wird eine Autonome Republik mit weitreichenden Rechten innerhalb der Ukraine eingerichtet.

1997: Kiew und Moskau schließen ein Abkommen zum Verbleib russischer Marineeinheiten in Sewastopol, das nicht zum Autonomiegebiet gehört. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch vereinbart 2010 mit Moskau, dass der 2017 ablaufende Pachtvertrag zur Stationierung der russischen Schwarzmeer-Flotte um 25 Jahre verlängert wird.

2014: Nach dem Sturz von Janukowitsch in Kiew erklärt die neue prorussische Führung der Krim die Unabhängigkeit des Gebiets von der Ukraine und organisiert ein Referendum für den Anschluss an Russland.

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