Superreiche fürchten Putin Oligarchen stehen auf der Seite Kiews

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Prorussische Demonstranten vor einem Verwaltungsgebäude im ostukrainischen Donezk. Foto: ReutersProrussische Demonstranten vor einem Verwaltungsgebäude im ostukrainischen Donezk. Foto: Reuters

Moskau. Die ukrainischen Superreichen haben sich in der Krise klar hinter die neue Regierung in Kiew gestellt. Sie haben ihre Basis in der Ostukraine und wollen nicht, dass die Region an Russland fällt. Sie dürften nun eine Rolle bei der Stabilisierung des Landes spielen.

Wladimir Putin macht sich Sorgen um die Ostukraine . Wenn die Lage dort ähnlich wie in Kiew „außer Rand und Band“ gerate, werde Russland eingreifen müssen, warnte er. „Irgendwelche Oligarchen, Milliardäre“ würden in ostukrainischen Gebieten als Gouverneure eingesetzt, klagte er bei seiner jüngsten Pressekonferenz in Moskau. Der neue Gouverneur von Dnjepropetrowsk, Igor Kolomoiski, sei ein solcher Gauner, dass er sogar Roman Abramowitsch übers Ohr gehauen habe, den Besitzer des englischen Fußballklubs Chelsea.

Tatsächlich haben sich die ukrainischen Oligarchen hinter die neue Regierung in Kiew gestellt. Obwohl der Kiewer Maidan sich auch als „anti-oligarchistische Revolution“ verstand, scheinen die neuen Machthaber ohne die Superreichen nicht auszukommen. Denn nach dem sich abzeichnenden Verlust der Krim müssen sie nun um die Ostukraine bangen. Die meisten Oligarchen stammen entweder aus dem industriellen Osten oder sie haben ihr Kapital in den dortigen Kohlebergwerken, Stahlhütten und Schiffswerften.

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So hat sich der von Putin kritisierte Igor Kolomoiski nach eigenen Worten selbst für das Gouverneursamt in Dnjepropetrowsk angeboten. „Die ukrainischen Oligarchen helfen ihrem Land, indem sie hier arbeiten“, erklärte der mit fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) zweitreichste Ukrainer auf seiner ersten Pressekonferenz im neuen Amt. Seine wichtigste Aufgabe sehe er darin, „die Stadt zu beruhigen“. Sie solle nicht länger vor Angst und Panik zittern. Und er will natürlich sein Kapital retten. Kolomoiski beschreibt das gestürzte Regime Janukowitsch als „Mischung aus kriminellen Elementen und dem Polizeisystem“. Er selbst sei „wie alle eine Geisel des Regimes“ gewesen. Obwohl er neben der ukrainischen die israelische Staatsbürgerschaft besitzt und bisher die meiste Zeit in seiner Schweizer Villa verlebte, will er sich nunmehr „bemühen, ukrainisch zu sprechen“. Auch werde er sich geschäftlich nicht betätigen, solange er Gouverneur bleibe.

Kolomoiski steht nicht allein da. Sergej Taruta nennt 2,65 Milliarden Dollar sein eigen. Ihn hat der Interimspräsident Alexander Turtschinow zum Gouverneur des Gebiets Donezk gemacht, der Heimat des vertriebenen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Der Hüttenoligarch Taruta ist Aufsichtsratschef der Industriellenunion des Donezbeckens. Taruta sagte bereits, er rechne mit der Hilfe von Rinat Achmetow, dem mit 16 Milliarden Dollar reichsten Mann der Ukraine. Achmetow, der einst Janukowitsch unterstützt hatte, schließt eigene politische Betätigung zwar aus. Er werde aber zu Stabilität und Normalität im Lande beitragen.

Putin hat die Superreichen und die Maidan-Revolutionäre erst zusammengeschmiedet. Er hat im eigenen Land Oligarchen, die sich unter seinem Vorgänger Boris Jelzin bereichert hatten, teilweise enteignet und ins Exil gezwungen. Dazu gehörte der Besitzer des unabhängigen NTW-Fernsehens, Wladimir Gussinski, und der einstige Vizechef des nationalen Sicherheitsrates Boris Beresowski. Der einst reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski , verlor seinen Besitz und musste für zehn Jahre ins Arbeitslager. Mit seinen Kriegsdrohungen hat Putin auch die ukrainischen Oligarchen bedroht.

Auch in der Ukraine sind die Bürger über die Raffgier der Machthaber empört. Noch immer besuchen die Bürger „das Korruptionsmuseum“, wie Janukowitschs Residenz Meschigorje getauft wurde. Die neuen Politiker wettern über vergoldete Klobecken und aufreizenden Luxus. Doch auch die Oligarchen sind nicht auf völlig saubere Weise zu ihrem Vermögen gekommen.


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