Middelberg, Vollmer und Brickwedde Wulff-Vertraute finden Doku-Drama „Der Rücktritt“ fair

Schauten sich das Doku-Drama über Wulffs Rücktritt in der Redaktion an (von links): Mathias Middelberg, Carsten Vollmer und Fritz Brickwedde. Foto: Hermann PentermannSchauten sich das Doku-Drama über Wulffs Rücktritt in der Redaktion an (von links): Mathias Middelberg, Carsten Vollmer und Fritz Brickwedde. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Zwei Tage vor der erwarteten Urteilsverkündung im Fall Wulff vor dem Landgericht Hannover hat SAT.1 gestern den Film „Der Rücktritt“ ausgestrahlt. Was sagen Freunde des früheren Bundespräsidenten zu dem Streifen und der Affäre kurz vor ihrem vermutlichen juristischen Ende? Die Osnabrücker Christdemokraten Fritz Brickwedde, Mathias Middelberg und Carsten Vollmer kennen Wulff seit seiner Jugend und stehen immer in noch Kontakt zu ihm. Sie haben den Film in unserer Redaktion gemeinsam gesehen und kommentiert.

Von Burkhard Ewert und Christof Haverkamp

Alle drei halten den Film über den Rücktritt des Bundespräsidenten im Wesentlichen für fair. Zuweilen wirke Wulff in dem Doku-Drama zu depressiv, fast auch tollpatschig, in der Summe jedoch werde der ehemalige Bundespräsident angemessen dargestellt.

„Das bewegt einen schon“, sagt Brickwedde direkt nach dem Doku-Drama. Er wirft der Staatsanwaltschaft massive Fehler vor. Besonders auf der Ebene der Generalstaatsanwaltschaft würden sich Fragen stellen. Der frühere Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und CDU-Fraktionschef im Osnabrücker Rat war am 8. März 2012 dabei, als Wulff mit dem Großen Zapfenstreich vor Schloss Bellevue verabschiedet wurde.

Ebenso der Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg (49), ein Freund von Wulff seit den Tagen der Schüler-Union. Er hatte später beruflich mit ihm zu tun als Referatsleiter für Wirtschaft in der Niedersächsischen Staatskanzlei.

Carsten Vollmer, Jahrgang 1963, ist Zahnarzt, Schatzmeister der Osnabrücker CDU und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Osnabrück-Westerberg. Er ist mit Wulff bereits zur Schule gegangen. Ihn hat der Film auch wütend gemacht. Insbesondere, als auf jemanden eingetreten worden sei, der bereits am Boden gelegen habe. Da seien alle Grenzen überschritten worden. Diese letzten Minuten im Film sahen sich die drei Weggefährten schweigend an.

Auch eine andere Vertraute Wulffs meldete sich gestern zu Wort – erstmals seit Beginn der Affäre überhaupt. Es ist die Ordensfrau Eva-Maria Siemer, Franziskanerin und Leiterin der Berufsbildenden Schulen im Marienheim in Sutthausen. Sie traf Wulff häufig, begleitete ihn in seiner Zeit als Ministerpräsident zu einer Privataudienz beim Papst, war bei der Feier nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt ebenso Gast wie zweieinhalb Jahre später zum Zapfenstreich eingeladen, mit dem der CDU-Politiker aus dem Amt schied. Jetzt erklärte Siemer unserer Redaktion: „Filmisch ist das Drama gelungen im Wechsel zwischen realer Dokumentation und fiktiven Elementen.“ Letztere seien aber zum Teil wohl sehr fiktiv. Es stimme sie sehr bedenklich, dass die „Bild“-Zeitung moralische Maßstäbe habe setzen wollen und dies zugelassen worden sei.

Eines wisse sie sicher, meint die Ordensschwester: „Die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand von Herrn Glaeseker hat sich Christian Wulff nicht leicht gemacht.“ Alles werde im Film sehr verkürzt dargestellt. Grundsätzlich sei in diesen Monaten die Menschlichkeit zu kurz und bisweilen sogar abhanden gekommen. Erschreckend sei, „was sich da für ein Szenario aufgetan hat, wie er in die Ecke getrieben wurde“. Alles scheine ihr bewusst geplant gewesen zu sein. „Wer Wulff kennt, kennt ihn jetzt im Film nicht wirklich als Person und Persönlichkeit wieder,“ so Siemer. Hageböllling habe sie nicht so kühl in Erinnerung. „Die Kommunikation zwischen Christian Wulff und seiner Frau Bettina ist sicher anders abgelaufen“, fügte die Franziskanerin hinzu.

Das Doku-Drama „Der Rücktritt“ basiert auf dem Buch „Affäre Wulff“ der beiden „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch. Sie haben den Fall Wulff mit ihren Veröffentlichungen um die Jahreswende 2011/2012 ins Rollen und den Präsidenten ins Schleudern gebracht.

Gespielt wird Wulff von Kai Wiesinger und seine damalige Frau Bettina von Anja Kling. In dem Doku-Drama geht es um Wulffs 68 letzte Tage als Oberhaupt des Staates.

Der Liveticker zum Nachlesen.


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