Metalle aus Konfliktregionen Rohstoffe im Kongo: Der Krieg und unsere Handys

Von Franziska Kückmann


Osnabrück. Kinderarbeit, Mord, Vergewaltigung: Vor allem in der Demokratischen Republik Kongo schuften Menschen unter oft unzumutbaren Bedingungen in Minen. Sie fördern seltene Rohstoffe, ohne die kein Smartphone funktioniert. Politik und Hersteller reagieren nur langsam auf diese Missstände.

In den 1990er-Jahren waren es „Blutdiamanten“, die zum Inbegriff der perfiden Finanzierung afrikanischer Bürgerkriege etwa in Sierra Leone und Liberia wurden. Nun sind es „Blutmineralien“: Rohstoffe wie Coltan, Wolfram, Zinn und Gold, deren Abbau in einem der schlimmsten Krisengebiete des Planeten den Kreislauf der Gewalt am Leben hält. International sind die seltenen Materialien heiß begehrt. Vor allem das aus dem Erz Coltan gewonnene Metall Tantal: Es steckt in Handys, Laptops und anderen Elektrogeräten.

Etwa 80 Prozent der weltweiten Coltan-Vorkommen werden im Herzen Afrikas vermutet, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo. Dort tobt im Osten seit zwei Jahrzehnten ein ebenso grausamer wie unübersichtlicher Bürgerkrieg, der seit den frühen 1990er-Jahren geschätzt fünf Millionen Menschen das Leben gekostet und viele Millionen in die Flucht getrieben hat. Die Gewalt hat ihren Ursprung zwar nicht im Kampf um die seltenen Rohstoffe, sondern liegt vor allem im Streit um Land sowie in den Folgen des Völkermords im benachbarten Ruanda begründet. Doch der Bergbau wird inzwischen zum größten Teil von Rebellen betrieben und kontrolliert – und die finanzieren mit dem lukrativen Handel ihr Kriegsgeschäft. Gleichzeitig stehen auch Nachbarstaaten wie Ruanda unter Verdacht, im Konflikt mitzumischen, um ebenfalls vom Rohstoffabbau profitieren zu können.

Der Herstellerriese Apple hat nun reagiert. Er werde nur noch Rohstoffe aus „konfliktfreien Quellen“ verwenden , teilte das Unternehmen jetzt mit. Zudem veröffentlichte es eine Liste aller Erzminen, aus denen die Mineralien für die beliebten Produkte mit dem Apfel stammen. Andere Konzerne wie die Telekom oder der Hersteller Samsung distanzieren sich ebenfalls von Coltan aus dem Kongo, vertrauen dabei aber auf die Seriosität ihrer Zulieferer. Sichere Methoden, Blutmineralien systematisch zu umgehen, gibt es bisher nicht.

Diesen Nachholbedarf hat auch die Europäische Union erkannt. Handelskommissar Karel de Gucht will eine Verordnung auf den Weg bringen, wie importiertes Coltan besser kontrolliert werden kann. Als Vorbild dient dazu der sogenannte Dodd-Frank-Act aus den USA: ein Gesetz, das börsennotierte Unternehmen dazu verpflichtet, lückenlos Auskunft über die Herkunft verwendeter Rohstoffe zu geben. Diese Vorgabe hat offenbar auch Apple zum Handeln bewegt.

Doch noch bevor überhaupt ein konkreter Vorschlag aus Brüssel auf dem Tisch liegt, ist bereits ein Streit zwischen Wirtschaftsverbänden und Menschenrechtlern entbrannt. Gegner einer strengen EU-Regelung, etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), warnen davor, dass zu kleinteilige Vorschriften zu einem generellen Boykott aller Minen im Kongo führen könnten. Damit sei den Menschen in der Krisenregion auch nicht geholfen, weil für viele der Bergbau die Lebensgrundlage bilde.

Menschenrechtler hingegen lehnen den Vorschlag ab, lediglich jene Unternehmen ins Visier zu nehmen, die Coltan einschmelzen und Tantal daraus gewinnen. Wenn nur diese Firmen zum Herkunftsnachweis verpflichtet würden, hätten zwar die europäischen Hersteller nicht den bürokratischen Aufwand. Doch die meisten Schmelzer sitzen nicht in Europa, sondern in Asien, vor allem in Indien und China. Eine EU-Vorschrift wäre hier wirkungslos.

Dabei gibt es die technische Möglichkeit, Coltan zu zertifizieren: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat ein Verfahren entwickelt, wie das Erz gekennzeichnet werden kann. Dadurch könnte gewährleistet werden, dass nur Coltan aus legalen Minen, also „saubere“ Mineralien, auf den Weltmarkt gelangen. Allerdings funktioniert die Kennzeichnung nur bis zur Schmelze. Und die großen Abnehmer China und Indien, wohin das Erz zum Schmelzen in erster Linie geht, legen bisher keinen Wert darauf, Standards einzuhalten. Aufgrund der unwürdigen Arbeitsbedingungen in den meisten kongolesischen Minen bekommen sie Coltan schließlich derzeit noch zu Schnäppchenpreisen.

Solange die Schürfrechte weiter bei den brutalen Milizen oder der korrupten Regierung bleiben, geht das Geld für den Krieg nicht aus. Und der Kongo bleibt ein armes Land, reich an Schätzen.


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