Gespräche über Islamkonferenz Osnabrücker Experte: Islam als Religionsgemeinschaft anerkennen

Die Islamkonferenz soll neu ausgerichtet werden. Darüber hat Innenminister de Maizière mit Vertretern der muslimischen Verbände gesprochen. Foto: dpaDie Islamkonferenz soll neu ausgerichtet werden. Darüber hat Innenminister de Maizière mit Vertretern der muslimischen Verbände gesprochen. Foto: dpa

Berlin/Osnabrück. In der Berlin haben am Montag Innenminister de Maizière und Vertreter muslimischer Verbände über die Zukunft der Islamkonferenz gesprochen. Der Osnabrücker Islam-Experte Ucar meint, dass die Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft zwingend auf die Agenda muss.

Bei einer Neuausrichtung der Islamkonferenz müsse die gleichberechtigte Anerkennung des Islams als Körperschaft des öffentlichen Rechts in den Mittelpunkt stehen, sagte Bülent Ucar, Direktor des Instituts für islamische Theologie an der Universität Osnabrück, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Weil diese Frage auf Landesebene zu klären ist, müssen die Bundesländer viel stärker in die Islamkonferenz einbezogen werden.“

Nur durch eine rechtliche Gleichstellung der islamischen Gemeinden mit anderen anerkannten Religionsgemeinschaften in Deutschland lasse sich ein Dialog auf Augenhöhe führen, sagte Ucar. „Die Debatte darüber muss ganz oben stehen auf dem Programm für die nächste Islamkonferenz.“ Es müssten die „Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass der Islam genauso behandelt wird wie alle anderen Religionen“. Dazu gehöre zwingend die Anerkennung als Religionsgemeinschaft und Körperschaft öffentlichen Rechts. Ucar lobte die Initiative von Innenminister Thomas de Maizière (CDU), auf die islamischen Verbände zuzugehen und den Austausch zu suchen.

Gleichzeitig appellierte er an die Verbände, die sich in der Vergangenheit aus der Islamkonferenz zurückgezogen hatten, sich auf einen erneuten Dialog einzulassen. „Besonders wichtig ist es, dass der Islamrat und der Zentralrat der Muslime an der nächsten Islamkonferenz teilnehmen“, sagte der Islamwissenschaftler. „Diese beiden großen Verbände müssen die Bereitschaft zeigen, mitzuwirken und den künftigen Austausch zu gestalten.“

Nach dem Treffen zwischen de Maizière und muslimischen Verbänden am Montag in Berlin äußerten sich beide Seiten optimistisch über die künftige Zusammenarbeit. De Maizière sagte im Anschluss, es sei „ein gutes und konstruktives erstes Gespräch“ über die Zukunft der Islamkonferenz geführt worden. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden, um Mitte März zu einer Verständigung über Ziele, Themen, Struktur und Aufbau des Gremiums zu kommen.

De Maizière hatte zuvor erklärt, dass die Islamkonferenz in alter Form in seinen Augen nicht mehr sinnvoll sei. Das Gremium, in dem sich Verbände und Vertreter des Staates über eine Zusammenarbeit verständigen sollen, startete 2006. Beraten wurde unter anderem über die Ausbildung von Imamen an deutschen Hochschulen und den islamischen Religionsunterricht an Schulen. Unter Minister Hans-Peter Friedrich (CSU) war der Dialog ins Stocken geraten. Die Verbände kritisierten, dass unter Friedrich Sicherheitsthemen in den Mittelpunkt gerückt würden.

Der Innenminister, der bereits in der vergangenen Legislaturperiode für kurze Zeit der Islamkonferenz vorstand, lud insgesamt sieben Verbände ein, um über die Zukunft des Gremiums zu sprechen. Der Zentralrat der Muslime äußerte sich nach dem Gespräch zufrieden. Das Agenda-Setting sei ergebnisoffen ohne Vorgaben diskutiert worden, sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek. „Das gibt Anlass für vorsichtigen Optimismus.“ Es sei bereits eine grobe Verständigung erfolgt: Unter anderem hätten sich die Themen Wohlfahrt und Seelsorge abgezeichnet. Zudem sei deutlich geworden, dass die Islamkonferenz künftig „schlanker“ organisiert werden soll, ergänzte Mazyek. Je nach Thema sollen externe Sachverständige dazugeladen werden. Die Gespräche sollen eher auf Arbeitsebene stattfinden. „Die Sitzungen im großen Stil mit einem Schaulaufen wollen wir nicht mehr.“


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