Diskussion über Erwartungen Mazyek: Islamische Theologie vor Herausforderung

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Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, stand den Fragen der Studenten Rede und Antwort. Foto: dpaDer Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, stand den Fragen der Studenten Rede und Antwort. Foto: dpa

Osnabrück. Während der Islam eine alte und reichhaltige Religion ist, ist die Islamische Theologie laut Aiman Mazyek eine noch recht junge Wissenschaft. Dennoch stellen muslimische Religionsgemeinschaften verschiedene Erwartungen an die Islamische Theologie, die Religionslehre mit Bekenntnischarakter. Über diese sprach der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime am Mittwochabend mit Studierenden im Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück.

Einer der Ansprüche sei es, an den Lehrstühlen und Schaltstellen „echte Theologen“ zu installieren statt Lehrende, die aus einem ganz anderen, weit entfernten Feld kommen. Dass nur wenige richtige Theologen im Einsatz seien, zeige die Diskrepanz, die momentan noch zwischen Anspruch und Wirklichkeit herrsche. Hier müsse ein Standard erreicht werden, der in anderen Fächern bereits vorliegt.

Auch beim Thema Religionsverfassungsrecht müsse sich etwas ändern. „Wir erleben als Muslime seit Jahren, dass uns nicht das angeboten wird, was die Verfassung vorschreibt“, sagte Mazyek. Nämlich die Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften. „Die müssen wir herstellen.“ Doch Muslimen würden laut Mazyek immer wieder Provisorien angeboten, auch im Kontext der Islamischen Theologie.

Ein vor allem im Hinblick auf die Zukunft wichtiger Anspruch, den muslimische Religionsgemeinschaften an die Islamische Theologie in Deutschland stellen, ist die Ausbildung muslimischer Schüler. Deren Zahl beläuft sich in Niedersachsen auf etwa 50000. „Und für die müssen wir in absehbarer Zeit eine Grundversorgung an islamischem Religionsunterricht gewährleisten“, betonte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. Dazu sei es von Bedeutung, die bestehenden Lehrstandorte nicht nur zu halten, sondern auch auszubauen. Allein in Niedersachsen wären Mazyeks Meinung nach eigentlich mindestens fünf Standorte nötig.

Da die Islamische Theologie noch jung ist, lägen noch keine Erfahrungswerte für die Art des Umgangs mit einer solch reichhaltigen Theologie vor. „Aller Anfang ist schwer und das ist eine Herkules-Aufgabe, die nicht von heute auf morgen zu schaffen ist“, sagte Mazyek.


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