44 Tote, eine Deutsche verletzt Anschlag in Istanbul: Türkei zeigt Bilder von Tätern

29.06.2016, 13:59 Uhr

Ein Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen erschüttert die Türkei. Drei Selbstmordattentäter greifen den Atatürk-Airport an und reißen viele Menschen mit in den Tod. Über die Attentäter ist bisher wenig bekannt. Die türkische Polizei hat nun Fotos veröffentlicht.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Ministerpräsident Binali Yildirim, der den Flughafen noch in der Nacht besuchte, sagte am Mittwochmorgen, erste Hinweise deuteten auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Urheber hin. Bislang hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt. Die Nationalität der Angreifer, die sich in die Luft sprengten, blieb zunächst unklar. Die türkische Polizei hat inzwischen Aufnahmen von Personen veröffentlich, die sie als Täter identifiziert hat. Die Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen Männer auf dem Istanbuler Flughafen vor dem Anschlag.

Was ist am Dienstagabend passiert?

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim schilderte bei einem Besuch am Anschlagsort den Hergang der Ereignisse: Die drei Attentäter seien mit dem Taxi am Flughafen angekommen und hätten mit automatischen Gewehren um sich geschossen. Danach hätten sie sich selbst in die Luft gesprengt. Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, keiner der drei Selbstmordattentäter habe die Sicherheitsschleusen am Eingang des internationalen Terminals passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuteten dagegen darauf hin, dass einer oder mehrere Angreifer auch in den Innenbereich des Terminals gelangten.

Wie viele Menschen sind gestorben?

Die Selbstmordattentäter haben mindestens 44 Personen in den Tod gerissen . Nach jüngsten Angaben der türkischen Behörden wurden außerdem mindestens 239 Menschen verletzt. Unter den Todesopfern waren mindestens 13 Ausländer, Angaben aus türkischen Regierungskreisen zufolge fünf Saudis, zwei Iraker, ein Tunesier, ein Usbeke, ein Chinese, ein Iraner, ein Ukrainer und ein Jordanier.

Sind Deutsche unter den Opfern?

Nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt wurde bei dem Anschlag eine Deutsche verletzt. Es lägen weiterhin keine Hinweise vor, dass Deutsche zu Tode gekommen seien. Vollständige Gewissheit gebe es aber noch nicht.

Was bedeutet der Anschlag für Istanbul-Reisende?

Die großen Veranstalter bieten ihren Gästen für Reisen nach Istanbul nach dem Anschlag auf den Flughafen kostenlose Stornierungen an. So können Urlauber beim größten deutschen Veranstalter Tui ihre gebuchte Istanbul-Reise bis einschließlich 31. Juli kostenlos umbuchen oder stornieren. Das Ausflugsprogramm nach Istanbul wurde bis zum 31. Juli abgesagt. Für alle anderen Ziele in der Türkei gelten die regulären Reisebedingungen, so Tui. Auch DER Touristik bietet für Reisen und Ausflüge nach Istanbul bis zum 31. Juli kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Gäste von Veranstalter Thomas Cook können gebuchte Reisen nach Istanbul in dieser und der kommenden Woche kostenlos umbuchen oder stornieren.

Was sagen die deutschen Politiker zu dem Anschlag?

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Opfern des Selbstmordanschlags ihre Anteilnahme ausgesprochen. Sie sei erschüttert über „diese neuen und hinterhältigen Akte des Terrorismus“, sagte Merkel am späten Dienstagabend am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Gleichzeitig solidarisierte sich die Bundeskanzlerin mit den Türken: „Ich möchte dem ganzen türkischen Volk von hier aus sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden.“
  • Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat erschüttert auf den verheerenden Terroranschlag reagiert. „Der Terrorismus hat mal wieder sein hässliches Gesicht gezeigt und unschuldige Menschen in den Tod gerissen“, sagte de Maizière am Mittwoch in Berlin. „Ich bin tief erschüttert über den feigen und brutalen Anschlag am Flughafen von Istanbul.“ Er trauere mit den Angehörigen der Opfer und wünsche den Verletzten schnelle Genesung. „Wir werden unseren Kampf gegen den Terrorismus gemeinsam mit unseren Verbündeten mit voller Härte fortsetzen“, betonte er.
  • Grünen-Chef Cem Özdemir rief zu mehr Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei auf. Allerdings gehörten dabei auch unangenehme Themen auf die Tagesordnung, sagte er der „Rheinischen Post“ (Donnerstag): etwa, dass die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in der Türkei „aktiv Anhänger rekrutieren konnte und die Ein- und Ausreise nach Syrien für ISIS-Kämpfer kein Problem darstellte“. Zu klären seien auch die Vorwürfe, dass die Türkei Waffen an islamistische Kämpfer in Syrien geliefert habe. Ebenso gelte es, eine politische Lösung für die kurdische Frage zu finden.
  • Die innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke, mahnte die türkische Regierung zum Kampf gegen den IS. „Das Kalkül Ankaras, durch die Unterstützung dschihadistischer Terroristen die eigene antikurdische Politik zu stärken, hat sich in Istanbul auf blutige Weise gerächt“, kritisierte sie in Berlin.
  • Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, betonte, ein vergleichbarer Anschlag „hätte sich in jedem Land ereignen können. Mit seinen vielen türkischstämmigen Einwohnern ist auch Deutschland getroffen.“ Malchow kritisierte, auch in Deutschland seien nicht genügend erfahrene Ermittler vorhanden. Die Polizei frage sich, „wie lange das noch gut geht“.

(Weiterlesen: Viele Tote nach Selbstmordanschlägen am Flughafen Istanbul)