Überprüfung ungeklärter Verbrechen Mögliche rechte Tatmotive bei 749 Tötungsdelikten

Ein Gedenkstein in Dortmund erinnert an Mehmet Kubasik, eines der mutmaßlichen Opfer des NSU. Foto: dpaEin Gedenkstein in Dortmund erinnert an Mehmet Kubasik, eines der mutmaßlichen Opfer des NSU. Foto: dpa

Osnabrück. Weit mehr Todesopfer als bislang bekannt könnten auf das Konto rechter Gewalttäter gehen. Das hat eine Überprüfung von 3300 vollendeten oder versuchten Tötungsdelikten ohne Tatverdächtige durch Bundeskriminalamt und Landespolizeibehörden ergeben.

Bei 746 Taten hätten sich Anhaltspunkte für eine mögliche politisch rechte Motivation ergeben, teilt das Bundesinnenministerium auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Die Gesamtzahl der Opfer: 849.

Offiziell gehen die Behörden von etwa 60 Todesopfern rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung in Deutschland aus. Darin enthalten sind die zehn Morde, die dem Terrortrio des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) zur Last gelegt werden.

Nach Auffliegen der NSU-Mordserie war eine generelle Überprüfung der ungeklärten Tötungsdelikte zwischen 1990 und 2011 ohne Tatverdächtige in die Wege geleitet worden. Ziel: die Verbrechen auf einen rechten Hintergrund zu überprüfen.

Dazu sei ein Indikatorenkatalog entwickelt worden, so ein Ministeriumssprecher. Anhand dessen hätten die Polizeien der Länder und das Bundeskriminalamt die unaufgeklärten Verbrechen noch einmal gefiltert. Dabei seien 746 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte mit 849 Opfern „als relevant erachtet“ worden. Zu dieser Zahl gehören auch 137 Menschen, die nach Recherchen verschiedener Medien ebenfalls als Opfer rechter Gewalttäter eingestuft werden müssten.

Beim Bundeskriminalamt seien die Fälle „einem umfangreichen Datenabgleich unterzogen“ worden, so der Ministeriumssprecher. Die Ergebnisse würden derzeit „für die Übersendung an die meldenden Länder aufbereitet“. Hier sollen dann die weiteren Ermittlungen in die Wege geleitet worden.

Für das zweite Quartal 2014 kündigt der Ministeriumssprecher eine Überprüfung an, ob die Untersuchungen auf weitere Verbrechen ausgeweitet werden sollen. Denkbar wären beispielsweise unaufgeklärte Sprengstoffanschläge oder Banküberfälle aus den vergangenen Jahren.


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