Faschistischer Schlachtruf Jubel von Fußballer Simunic wühlt Kroatien auf

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Ex-Herthaner und kroatischer Nationalspieler: Josip Simunic. Foto: ImagoEx-Herthaner und kroatischer Nationalspieler: Josip Simunic. Foto: Imago

Belgrad. Ein bizarrer Jubel sorgt beim EU-Neuling Kroatien für anhaltenden Wirbel. Seit der frühere Berliner Fußballer Josip Simunic die Weltmeisterschaftsqualifikation mit der Losung der faschistischen Ustascha bejubelte, wird diese in den Stadien Kroatiens nun erst recht skandiert.

Von Thomas Roser

Notfalls wird Geschichte auch von Kroatiens Rumpelpatrioten eben ausgeblendet. Ausgerechnet die Fans von Hajduk Split, dessen Fußballer sich im Zweiten Weltkrieg geschlossen der Widerstandsbewegung der Partisanen angeschlossen hatten, stimmten am Wochenende für einen bedrängten Gesinnungsgenossen des Erzrivalen Dynamo Zagreb den Schlachtruf der faschistischen Ustascha an. „Für die Heimat - Bereit!“, schallte es aus Tausenden Kehlen beim Spiel gegen Osijek im Poljud-Stadion: „Auf geht’s Ustaschas!“

Simunic ist sich keiner Schuld bewusst

Der Sangesgruß war Kroatiens Nationalspieler Josip Simunic gewidmet. Über 100 Länderspiele hat der hochgewachsene Fußballer auf dem Buckel. Doch nach der erfolgreichen WM-Qualifikation gegen Island vor Wochenfrist in Zagreb verspürte der 35-jährige Routinier ein ganz persönliches Jubel-Bedürfnis. Seine Mitspieler waren schon in der Kabine entschwunden, als der populäre „Joe“ noch einmal auf das Feld des Maksimir-Stadions eilte und sich das Mikrofon des Sprechers schnappte. „Za dom spremni - für die Heimat bereit!“,skandierte der einstige Spieler von Hertha BSC Berlin im Wechselgesang mit dem johlenden Publikum fünf Mal den berüchtigten Ustascha-Gruß während des Zweiten Weltkriegs.

Der bizarre Solo-Jubel des im australischen Canberra geborenen Simunic löste beim EU-Neuling anhaltenden Wirbel aus. Seit der Nationalkicker den in heimischen Stadien seit den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre regelmäßig zelebrierten Ustascha-Gruß zu weltweiten Schlagzeilen verhalf, wogt in dem Adria-Staat eine heftige Debatte über den Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der eigenen Geschichte. Der Übeltäter zeigt sich derweil keinerlei Schuld bewusst. Und von den Fans wird der Ustascha-Gruß erst recht skandiert: Knapp 160000 Fans zählt bereits die Facebook-Seite, die zur Unterstützung des beliebten Joe aufruft.

Verbandschef hofierte ebenfalls Faschisten

Er habe dies schon sein ganzes Leben machen wollen und „nichts Schlimmes getan“, offenbart sich Simunic als Überzeugungstäter: „Ich verbinde mit Heimat Wärme, Liebe und einen positiven Kampf.“ Seit Staatsgründer Franjo Tudjman im Kriegsjahrzehnt der 90er Jahre den Geist der Verharmlosung und Verherrlichung der Ustascha „aus der Flasche gelassen habe“, sei ein Teil Kroatiens von deren Ideologie vergiftet, konstatiert betrübt die liberale Zeitung „Novi List“: „Darum stoßen wir immer wieder auf das Problem, das uns der Welt als Liebhaber von Adolf Hitler präsentiert.“ In Deutschland käme es keinem Spieler in den Sinn, seine Fans mit dem Hitler-Gruß zu begrüßen: „Das wäre sein letztes Spiel - für immer.“

Tatsächlich wurde im März der griechische Profi Giorgos Katidis von seinem Verband für alle nationalen Auswahlmannschaften auf Lebenszeit gesperrt, nachdem er ein Tor für seinen damaligen Clubs AEK Athen mit dem Hitlergruß gefeiert hatte. Eine derartige Sanktion hat der von der heimischen Justiz mit umgerechnet 3000 Euro (3700 Franken) bestrafte Simunic von Kroatiens Fußballverband HNS nicht zu befürchten. Dessen Geste sei „unangebracht“, doch Irren menschlich, so HNS-Vorstandsmitglied Damir Vrbanovic: „Er war nicht der erste, der das skandiert hatte.“ Für das auffällige Schweigen von HNS-Chef Davor Suker hat das Online-Portal Index nun einen guten Grund aus dem Foto-Archiv gegraben: Als Kicker von Real Madrid hatte Suker 1996 stolz vor dem spanischen Grab von Ustascha-Gründer Ante Pavlevic posiert – einem beliebten Wallfahrtsort kroatischer Nationalisten.


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