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20.11.2013, 17:47 Uhr

Afghanistan vor dem Abzug: Kein verlorenes Land

Ein Kommentar von Franziska Kückmann


Noch bis Ende 2014 ist die Bundeswehr in Afghanistan. Über eine Nachfolgemission ist noch nicht entschieden. Foto: dpaNoch bis Ende 2014 ist die Bundeswehr in Afghanistan. Über eine Nachfolgemission ist noch nicht entschieden. Foto: dpa

Osnabrück. Afghanistan braucht auch nach 2014 internationale Unterstützung, um nicht wieder im Chaos zu versinken. Deshalb ist es gut, dass Stammesvertreter in Kabul über ein Sicherheitsabkommen mit den USA beraten.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai handelt klug, indem er Stammesvertreter über die Präsenz von US-Truppen im Land nach 2014 beraten lässt. Er setzt auf Konsens und bedient sich dafür eines inoffiziellen Gremiums, in dem Vertreter aller Bevölkerungsgruppen vertreten sind. Dass die Taliban das Treffen ablehnen, entspricht der fanatischen Kompromisslosigkeit dieser Extremisten.

Das geplante Abkommen mit den USA hat Vorbildcharakter für das mögliche Engagement der übrigen NATO-Staaten nach ihrem Truppenabzug, auch Deutschlands. Nach 2014 muss die internationale Gemeinschaft zeigen, wie wichtig ihr die Zukunft Afghanistans ist. Der zu Ende gehende Einsatz ist inzwischen von Resignation geprägt, der Abzug hat den Beigeschmack: Schnell raus aus diesem verlorenen Land.

Doch es gibt ein Afghanistan jenseits der Terrornachrichten. Millionen Kinder, die zur Schule gehen. Frauen, die selbstbewusst als Lehrerinnen ihr Leben gestalten. Junge Menschen, die sagen: Wir gehen nicht – wir sind die Zukunft. Für jeden Einzelnen von ihnen hat sich der internationale Einsatz gelohnt. Jeder von ihnen ist ein Beweis dafür, dass Afghanistan kein verlorenes Land ist.

Daher täte Kabul gut daran, den Westen an seiner Seite zu halten. Denn ohne Unterstützung ist nicht ausgeschlossen, dass der instabile Staat zerfällt und bisher Gewonnenes wieder verloren geht.


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