Chance für junge Generation Berufsschulen geben afghanischen Jugendlichen Perspektiven

Auf einer Bildungsmesse in Kabul zeigt eine Berufsschülerin ihre Arbeit. Foto: Franziska KückmannAuf einer Bildungsmesse in Kabul zeigt eine Berufsschülerin ihre Arbeit. Foto: Franziska Kückmann

Kabul. Afghanistan benötigt langfristig Ausbildungsplätze für etwa 1,7 Millionen junge Erwachsene. Das Berufsschulsystem ist noch nicht ausgereift. Aber es bietet bereits Zehntausenden jungen Menschen eine Perspektive für die Zukunft.

Ghezal Azimi mag Zahlen. Am liebsten würde sie irgendwann bei der afghanischen Zentralbank arbeiten. Ein Praktikum hat sie dort schon gemacht. Die 22-Jährige aus Kabul ist im zweiten Jahr der Ausbildung zur Buchhalterin und hat einen Plan für ihre Zukunft. Und die sieht sie in Afghanistan.

2,3 Millionen junge Erwachsene zwischen 15 und 19 Jahren leben in dem Land am Hindukusch. Um eine Perspektive zu haben, brauchen sie einen Schulabschluss, danach einen Ausbildungsplatz und später die Möglichkeit zu arbeiten. „Wir sind die junge Generation, die Afghanistan wieder aufbauen muss“, sagt Ghezal Azimi.

Bislang gibt es landesweit 240 Berufsschulen, die im vergangenen Jahr etwa 70000 Schüler besucht haben. Die zu erlernenden Berufe mussten für den Neustart nach der Taliban-Herrschaft 2001 zunächst entwickelt werden: Bürokaufmann oder -frau, Metallbauer, Kfz-Techniker und Tischler sind nur wenige Beispiele. „Wir brauchten Lehrpläne, trainierte Lehrer, ein einheitliches Prüfungssystem – das mussten wir alles aus dem Boden stampfen“, sagt Gustav Reier, der das Programm zur Berufsbildung der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Afghanistan betreut.

Langfristig benötigt Afghanistan Ausbildungsplätze für rund 1,7 Millionen junge Erwachsene. Ungefähr 600000 erhalten ihre Ausbildung bisher im sogenannten informellen Sektor: also in kleinen Handwerksbetrieben, wo sie als Lehrlinge arbeiten. Eine Million junge Erwachsene stehen auf der Straße oder verdingen sich als Tagelöhner. Sie zu erreichen, definiert Reier als Ziel.

Deutschland engagiert sich nicht nur mit 55 Pilotschulen für die Berufsbildung, sondern setzt sich zusätzlich für die Weiterbildung von Lehrern ein. Zunächst haben deutsche Fachkräfte das Training von Lehrkräften übernommen. Inzwischen leisten Afghanen diesen Job oft selbst. Mehr als 700 junge Erwachsene, ein Drittel davon Frauen, lassen sich derzeit in Kabul zu Fachpraxislehrern ausbilden.

Ghezal Azimi wird ihre Ausbildung zur Buchhalterin im nächsten Jahr abschließen. Wenn alles klappt, studiert sie hinterher noch Wirtschaft. Etwas mit Zahlen eben. Ihr Ziel, die Zentralbank, will sie fest im Blick behalten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN