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15.11.2013, 15:17 Uhr

SPD-Parteitag: Heulsusen und Hasenfüße

Ein Kommentar von Beate Tenfelde


Die Genossen sind nach der Wahlniederlage im Bund völlig aus dem Tritt. Foto: dpaDie Genossen sind nach der Wahlniederlage im Bund völlig aus dem Tritt. Foto: dpa

Das war ein SPD-Parteitag in Moll. Die Genossen sind nach der Wahlniederlage im Bund völlig aus dem Tritt. Und sie haben kein Vertrauen mehr in das Spitzenpersonal – wie sonst sind die ernüchternden Ergebnisse bei der Vorstandskür zu bewerten?

Selbst die bisherige Quotenkönigin Hannelore Kraft muss ein 85,6-Prozent-Votum hinnehmen. Die Genossin der Herzen hat sich die Sympathien verscherzt mit ihrer unerklärten 180-Grad-Wende Richtung Schwarz-Rot im Bund. Dieses Bündnis ist der Basis nach wie vor nicht geheuer.

Gut für Parteichef Sigmar Gabriel: Die 83,6 Prozent, die er zuvor bei der Wiederwahl verbuchte, nehmen sich nun manierlich aus.

Die Genossen wandern im Jammertal – und schaffen es nicht, nach dem Scheitern von Rot-Grün neue Perspektiven ins Visier zu nehmen. Wer in Regierungsverantwortung strebt, wird abgestraft. Wer Wahlen gewonnen hat, bekommt ebenfalls einen Schuss vor den Bug. Der Hamburger Regierungschef Olaf Scholz kann die Fahne des Hoffnungsträgers einrollen mit kläglichen 67,3 Prozent.

Am schlimmsten hat es Generalsekretärin Andrea Nahles mit 67,2 Prozent erwischt. Ihr wird wohl der verkorkste Bundestagswahlkampf in die Schuhe geschoben. Kein feiner Zug der Delegierten, in geheimer Vorstandswahl Denkzettel zu verteilen. Ein offener Disput in der großen Aussprache nach Gabriels fordernder Rede hätte die SPD weitergebracht. So bleibt sie eine Partei der Heulsusen und Hasenfüße.


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