Shitstorm gegen FDP-Nachwuchs Junge Liberale wollen Hunde schlachten lassen

Von Stephanie Kriege


Osnabrück. Auf diese Weise wird es wohl nichts für die FDP, wieder an Wählerstimmen zu kommen: Die Jungen Liberalen (Julis) aus Sachsen-Anhalt fordern, das Schlachtverbot für Hunde und Katzen aufzuheben. Im Netz reagieren die Nutzer fassungslos und wütend.

Beim Bundeskongress der Julis Anfang November in Düsseldorf hatte der Landesverband aus Sachsen-Anhalt ein eigenartiges Schriftstück im Gepäck. Die Jungliberalen präsentierten ihren Parteifreunden den Antrag 802 , in dem es heißt: „Schachtverbote aufheben – auch Hunde kann man essen. Die Jungliberalen fordern die Aufhebung des Schlachtverbots für Hunde und Katzen.“ Die Begründung für diese Forderung schob der Landesverband gleich hinterher, wenn auch mit grammatikalischen Schwächen: „Für das erst 1986 in Deutschland eingeführte Schlachtverbot ist lediglich durch merkwürdige Moralvorstellungen zu erklären. Vielmehr stellt dieses Verbot eine Diskriminierung anderer Kulturen dar, in denen Fleisch der genannten Tiere als Delikatesse gilt.“

Auf der Facebook-Seite der Julis Sachsen-Anhalt äußerten inzwischen zahlreiche User ihren Unmut. Hunderte Kommentare gingen in den vergangenen Tagen ein, darunter Sätze wie „Ihr habt wohl den Schuss nicht gehört. Bei solchen Forderungen hoffe ich, dass diese Partei nie wieder irgendeine Stimme bekommt.“ Oder „Seid ihr eigentlich ganz sauber? Hat man euch den letzten Verstand geraubt?“. Die Administratoren der Seite haben schon zahlreiche Kommentare gelöscht.

Der Juli-Bundesvorsitzende Alexander Hahn reagierte auf den Shitstorm in Netz mit einer Pressemitteilung . Darin erklärt Hahn, dass es sich bei dem Antrag auf dem Bundeskongress um einen Einzelantrag durch einen Landesverband gehandelt habe, der in Düsseldorf weder beraten noch beschlossen wurde. „Das entstandene Bild ist somit schlichtweg falsch und ist weder offizielle Verbandsmitteilung noch Beschlusslage der Jungen Liberalen.“ Bei den Julis sei es „gute demokratische Tradition“, dass jeder Einzeldelegierte das Recht habe, Anträge einzureichen. In der Pressemitteilung entschuldigen sich die Jungliberalen „für die entstandenen Irritationen“. Man wolle weder Hunde noch Katzen und andere Haustiere geschlachtet sehen.

Dass sehen aber offenbar nicht alle Julis so. Denn irgendjemand muss den Antrag beim Bundeskongress schließlich entworfen haben. Ob man auf diese Weise der Mutterpartei FDP bei der Rückeroberung der Wählerschaft behilflich ist, darf bezweifelt werden.