Wie es den Kliniken in der Region geht Patient Krankenhaus: Struktur auf Prüfstand

Die Behandlung von Herzkrankheiten komplex. Die Spezialisierung von Kliniken ist Teil der Zukunftsdebatte.Foto: WestdörpDie Behandlung von Herzkrankheiten komplex. Die Spezialisierung von Kliniken ist Teil der Zukunftsdebatte.Foto: Westdörp

Osnabrück. So kann es nicht weitergehen, darin ist man sich einig. Der Großteil der niedersächsischen Kliniken schreibt seit Jahren rote Zahlen, Besserung ist nicht in Sicht. Nur eines scheint sicher: Die Krankenhausstruktur hat in der derzeitigen Form wohl keine Zukunft.

Die vom Sozialministerium geplanten Regionalgespräche sollen die Krankenhausversorgung „zukunftsfest“ machen, sagt Sprecher Uwe Hildebrandt. Doch was heißt das? Müssen sich die Regionen, die auf der Liste stehen, besonders viele Sorgen machen?

Stadt und Landkreis Osnabrück zählen zu den ersten Regionen, die von den Krankenhausplanern auf die Intensivstation verlegt werden. Mehr als 520000 Menschen haben die Wahl zwischen 17 Krankenhäusern und Kliniken, 13 davon mit einer klassischen Akutversorgung. Nach einer Statistik des Sozialministeriums gibt es in der Stadt (mit insgesamt 1880 Betten) und im Landkreis Osnabrück (1665 Betten) unterm Strich nur 28 Betten zu viel, und auch die Auslastung ist mit 88,5 Prozent (Stadt) und 86,2 Prozent (Landkreis) vergleichsweise sehr gut.

Das Problem sind offenbar die sogenannten Parallelstrukturen. Dominiert wird die Region von zwei regionalen Krankenhausträgern: das katholische Bistum Osnabrück mit mittlerweile sechs Krankenhäusern samt Akutversorgung unter dem Dach der Niels-Stensen-Kliniken und das städtische Klinikum Osnabrück mit zwei zugekauften Standorten in Dissen und Georgsmarienhütte.

Regionalgespräche geplant

Beide Träger haben in den zurückliegenden Jahren auf Expansion gesetzt und dabei offenbar mit einem Scheuklappenblick investiert. Die Geschäftsführer der beiden Klinikverbünde, Werner Lullmann (Niels Stensen) und Thomas Fehnker (Städtisches Klinikum), räumen ein, erst seit Kurzem gemeinsam über die angespannte Situation zu reden. Dieser Meinungsaustausch sei bislang aber eher „zaghaft“.

Unter der Regie des Sozialministeriums werden die bevorstehenden Regionalgespräche wohl deutlich dynamischer geführt werden. Der Leidensdruck ist groß: Auch im Raum Osnabrück schreiben fast alle Krankenhausträger rote Zahlen.

Für Nordhorn sind ebenfalls Gespräche geplant. In der dortigen Euregio-Klinik habe man seine Hausaufgaben schon erledigt, sagt Geschäftsführer Ralf Hilmes. Das damalige Marienkrankenhaus und das Grafschafter Klinikum fusionierten vor sechs Jahren zur heutigen Holding. Land und Klinik hätten 46 Millionen Euro für eine gemeinsame Infrastruktur investiert. Derzeit befinde man sich in einer zweiten, 15 Millionen Euro teuren Bauphase, bei der die Psychiatrie erneuert werden solle. Warum in Nordhorn Regionalgespräche geplant sind, das kann Hilmes nur vermuten. „Ich denke, es geht darum, fachliche Konzentration zu schaffen, Stärken auszubauen und Synergien zu nutzen“, sagte er. Und er ist sicher: „In anderen Regionen ist die Situation sicherlich angespannter.“

Im Landkreis Leer hält man Pläne zur Bettenreduzierung für inadäquat. „Unsere drei Krankenhäuser sind zu beinahe 100 Prozent ausgelastet, obwohl zum Beispiel in Leer Parallelstrukturen existieren“, sagt Holger Glienke, Geschäftsführer der Kliniken Leer mit Häusern in Leer, Weener und Borkum. „Die Bettenzahl zu reduzieren ist zumindest für unsere Region völlig inadäquat, zumal es hier um eher kleine Größenordnungen geht. Ein Angebot von beispielsweise 70 internistischen Betten in einem Haus wird angenommen, auch wenn es in der Nähe identische Strukturen gibt.

Anders sieht es in Spezialbereichen wie Gynäkologie und Geburtshilfe aus. Diese Bereiche können kleine Krankenhäuser nur schlecht aufrechterhalten. Hier ist eine Bereinigung gefragt.“ Der Landkreis Leer mit seinen insgesamt 165000 Einwohnern sei, was Krankenhausbetten anbelangt, eher unter- als überversorgt. „Mit 35 Betten pro 10 000 Einwohner liegen wir sogar unter dem Landesdurchschnitt.“

Im Landkreis Aurich und der Stadt Emden denkt man derweil über den Bau eines zentralen Krankenhauses in Georgsheil in Südbrookmerland nach. Was mit den bisherigen Standorten der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich und Norden sowie des Hans-Susemihl-Krankenhauses in Emden geschieht, ist offenbar noch unklar. Fest steht nur, das in allen drei Städten Notfallaufnahmen erhalten bleiben sollen. Beide Häuser schreiben rote Zahlen: In Emden wird in diesem Jahr ein Minus von 2,5 Millionen Euro erwartet, im Kreis Aurich sind es sogar neun Millionen Euro.

Im Emsland ist die Situation durchwachsen. Martin Diek und Ansgar Veer, Geschäftsführer des St.-Bonifatius-Hospitals in Lingen, betonen, die Patientenzahlen in Lingen und damit die Auslastung der Betten seien seit Jahren stetig angestiegen. Außerdem habe man ein leicht positives Jahresergebnis erreichen können, sagte Diek. Und dennoch: „Die mangelhafte Krankenhausfinanzierung zwingt uns, erneut Umstrukturierungen vorzunehmen, die zu weiteren Belastungen für alle führen werden.“

Das Marienkrankenhaus in Papenburg stand vor wenigen Jahren vor dem Finanzkollaps, der neue Gesellschafter und das Bistum mussten eingreifen. Seit Ende 2011 gehört das Haus zum Verbund der Lingener Bonifatius-Hospitalgesellschaft. „Wir befinden uns nach wie vor in einer Sanierungsphase“, sagt Geschäftsführer Matthias Bitter. Für das kommende Jahr erhoffe man sich „eine schwarze Null“. Aber, so Bitter: „Für Investitionen fehlt uns schlicht das Geld.“ Man sei hier auf Investitionszuschüsse Dritter angewiesen.

In Meppen fühlt man sich gut ausgelastet. Das Krankenhaus Ludmillenstift werde von der Bevölkerung stark in Anspruch genommen, sagte Verwaltungsdirektor Wilhelm Wolken. „Unsere Bettenauslastung liegt bei weit über 90 Prozent.“ Daher liefen auf Landesebene Anträge auf eine Erhöhung der Bettenzahl. Gleichzeitig habe das Ludmillenstift ein 40 Millionen Euro starkes Bauprogramm aufgelegt.

Nach defizitären Jahren erzielt man im westfälischen Lengerich inzwischen wieder ein positives Jahresergebnis. Das beinahe insolvente Krankenhaus wurde 2007 von der Helios-Kliniken-Gruppe übernommen. Die Auslastung der 118 Betten sei in den vergangenen sieben Jahren kontinuierlich gestiegen, teilt die Klinik mit. Für 2014 erwarte man eine Verdopplung der stationären Fälle seit der Übernahme.

Das St.-Josefs-Hospital Cloppenburg und das St.-Marien-Hospital Vechta, die zum Verbund der Katholischen Kliniken Oldenburger Münsterland (KKOM ) gehören, beteiligen sich an der landesweiten Kampagne „ 2Drittel “ der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, die auf die Finanznot der Häuser aufmerksam machen will.

Die Kliniken hätten bereits verschiedene Strukturmaßnahmen umgesetzt, erklären die Geschäftsführer Michael gr. Hackmann und Ulrich Pelster. Die Auslastung beider Häuser sei gegenüber dem Vorjahr weiter angestiegen. Dennoch betonen die Geschäftsführer: „Die Gesamtlage der Krankenhäuser in der Bundesrepublik, namentlich in Niedersachsen, ist und bleibt schwierig. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN