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01.11.2013, 21:33 Uhr KOLUMNE

Reporter unterwegs: Hoffnung für Afghanistan

Von Franziska Kückmann


Eine Mädchenklasse während des Unterrichts. Foto: Franziska KückmannEine Mädchenklasse während des Unterrichts. Foto: Franziska Kückmann

Kabul. Unsere Redakteurin Franziska Kückmann ist eine Woche durch den Norden Afghanistans gereist. Über ihre Eindrücke und Erfahrungen schreibt sie im Online-Tagebuch. Dieses Mal vom sechsten und letzten Tag.

„Wie lange waren wir eigentlich unterwegs?“, fragt am letzten Tag scherzhaft ein Mitreisender. „Drei Wochen?“ Tatsächlich fühlen sich sechs Tage Afghanistan wie eine Ewigkeit an. Das mag am gut gefüllten Programm liegen. Und an unzähligen interessanten Gesprächen, den Eindrücken einer fremden Welt, am Staunen über unerwartete Begegnungen. Bilder dieses Landes, die sich vorher im Kopf eingenistet hatten, fallen in sich zusammen. Afghanistan ist eines nicht: einfach zu verstehen.

Dass mehr als zehn Jahre nach dem Sturz der Taliban noch internationale Truppen im Land sind, empfinden viele Afghanen als Last. Der Drang danach, auf eigenen Füßen zu stehen, ist groß. Trotzdem wünschen sich viele nach dem offiziellen Abzug der Streitkräfte bis Ende 2014 die Präsenz der Amerikaner im Land, bauen auch auf die Bundeswehr, dass sie im Rahmen einer Ausbildungsmission vor Ort bleibt. Ein Widerspruch? Nicht in Afghanistan.

Schon innerhalb weniger Tage hier wird deutlich, dass es diesem Land an allen Ecken und Enden an irgendetwas mangelt. Die Afghanen bauen mit internationaler Hilfe nicht nur Schulen auf, sie tüfteln auch an Lehrplänen, Büchern, Lernstandards – Dingen, die nach Bürgerkrieg und Taliban-Zeit schlichtweg fehlen. Es gibt keine systematische Berufsausbildung, keine Fachkräfte, nicht einmal für simple Bereiche. „Das fängt schon damit an, dass man niemanden findet, der ordentlich ein Dach eindecken kann“, bringt es ein Gesprächspartner auf den Punkt.

Was in Sekunden zerstört ist, braucht manchmal Jahrzehnte, um wieder aufgebaut zu werden. Doch im Schatten der Berichte über Terror und Krieg wächst zarte Hoffnung. Dort sind junge Frauen, die als Lehrerinnen engagiert bei der Arbeit sind, Kinder, die umständliche Schulwege in Kauf nehmen, um lernen zu können, Polizisten, die im Erwachsenenalter noch Lese- und Schreibkurse besuchen, findige Unternehmer, die sich etwas aufbauen. Diese Menschen ignorieren die allgegenwärtigen Probleme und Gefahren nicht, aber sie sehen eine Zukunft für sich und für dieses Land. Auf sie zu setzen, ist die beste Chance, die Afghanistan hat. Womöglich die einzige.

Eine Übersicht über das Afghanistan-Tagebuch von Franziska Kückmann gibt es auf der Themenseite „Afghanistan-Kolumne“ .


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