zuletzt aktualisiert vor

Häftling erhängt sich

Von dpa

dpa Hannover. In der JVA Langenhagen hat sich ein Abschiebehäftling das Leben genommen. Der 58-Jährige erhängte sich mit dem Kabel eines Wasserkochers an einem Fenstergitter. Er sollte am Mittwoch nach Armenien ausgeflogen werden.

Wachbeamte hatten den Armenier bereits Freitag bei der abendlichen Medikamentenausgabe leblos in seiner Zelle gefunden. Er war seit dem 28. Juni in Abschiebehaft. Es habe wie in solchen Fällen üblich ein Gespräch mit dem Häftling gegeben, bei dem es jedoch keine Hinweise auf Selbstmordgedanken gab, sagte JVA-Sprecherin Kerstin Buckup. Der Mann hinterlässt eine in Deutschland lebende Ehefrau und einen Sohn.

Derzeit befinden sich in der JVA Langenhagen 42 weitere Personen in Abschiebehaft. Der Selbstmord ist laut Justizministerium der erste eines Abschiebehäftlings seit Dezember 2000. Solange es keine Hinweise auf Selbstmordgefahr gibt, seien die Zellen von Abschiebehäftlingen ganz normal ausgestattet, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Würden wir jeden Gegenstand entfernen, der sich zum Suizid eignet, also Bettwäsche, Schnürsenkel oder Elektrogeräte wie den Wasserkocher, wären die Haftbedingungen nicht mehr menschenwürdig.“Angesichts des Suizids forderten die Landtagsgrünen eine Reform der niedersächsischen Abschiebepraxis. „Dieser tragische Fall macht uns deutlich, dass die Landesregierung endlich handeln muss“, erklärte Filiz Polat, migrationspolitische Sprecherin der Grünen. Aus der Sicht der Grünen ist der Suizid ein Indiz für eine „inhumane Abschiebepolitik“ in Niedersachsen. „Wir haben mehrfach kritisiert, dass die Koalition es billigend in Kauf nimmt, dass Menschen in Niedersachsen mehrfach rechtswidrig in Abschiebehaft genommen wurden“, erklärte Polat.