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Kommentar Ermutigende Signale aus Kairo

Von Burkhard Ewert

Osnabrück. Auch wenn Mohammed Mursis Präsidentschaft unter Hypotheken startet, versprechen die ersten Stunden viel. Eine Frau und einen Christen plant er als Vertreter zu küren, aus der Muslim-Brüderschaft trat er demonstrativ aus. Bestehende internationale Verträge will er achten, einfühlsame Worte richtete er an die Minderheiten im Land und an die Revolutionäre selbst.

So viel demonstrativer guter Wille des neuen ägyptischen Staatschefs war nicht zu erwarten. Auch wenn die Militärs sein Wirken beäugen und die Macht begrenzen, sind Mursis Töne ein überaus ermutigendes Signal für den Westen wie für sein eigenes, so hoffnungsfrohes Land.

Pragmatismus und nicht Bedrohung steckt auch dahinter, wenn Mursi das Verhältnis zum Iran verbessern will. Dies gilt nicht dem kruden Präsidenten Ahmadineschad, sondern bezieht sich auf formale zwischenstaatliche Beziehungen, die vor 30 Jahren eingefroren wurden. Wieder eine diplomatische Niederlassung zu eröffnen, ist weit entfernt von einer angeblichen „Allianz“ und heißt schon gar nicht, jetzt gemeinsam heimlich an einer Bombe zu bauen.

Im Übrigen bleibt der Westen selbst gefragt, wenn es um die Entwicklung Ägyptens und des Verhältnisses zueinander geht. Er muss eine Bande knüpfen, ohne Kairo zu fesseln. Dies betrifft einen respektvollen Umgang ebenso wie wirtschaftliche Kooperation.