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Evangelischer Kirchentag Frühere Bischöfin Käßmann: Lästig sein ist Christenpflicht

<em>Strahlende Christin:</em> Margot Käßmann. Foto: dpaStrahlende Christin: Margot Käßmann. Foto: dpa

Hamburg. „Das war ein schöner Morgen“, sagt Margot Käßmann am Ende ihrer Bibelarbeit und strahlt. Stürmischer Beifall in Halle B6, der größten auf dem Hamburger Messegelände. Viele erheben sich von ihren Papphockern und klatschen begeistert weiter.

7000 Kirchentagsbesucher sind gekommen, meistens Ältere; für weitere Interessierte bleiben die Türen verschlossen Nach dem Referat wird die zierliche kleine Frau so eng umringt, dass ihr hellgrünes Jackett kaum zu sehen ist. Geduldig lässt sie sich mit Besuchern fotografieren und schreibt Autogramme.

Käßmann hat ihre treuen Zuhörer nicht enttäuscht. Es ist einer ihrer typischen Vorträge: schnell und wortgewandt, mit Zitaten und vielen aktuellen politischen Bezügen. Zum Beispiel zum Gefangenenlager Guantánamo und zur NS-Zeit, zu protestierenden Asylbewerbern in Berlin, zu indischen Frauenrechtlerinnen und zu Textilfabriken in Bangladesch. „Wir müssen aufmerksam bleiben für Recht und Gerechtigkeit“, verlangt die Theologin und frühere Bischöfin.

„Gut formuliert, Martin!“

Mehrfach zitiert sie die feministische Theologin Dorothee Sölle, die in Hamburg lebte. Auch Martin Luther findet Erwähnung, zumal Käßmann ja Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 ist. An Luther lobt sie die Sprachkraft, etwa in einer Passage, in der Luther den Spott der Leute auf einen Windeln waschenden Mann kritisiert. „Gut formuliert, Martin, kann ich da nur sagen“, fügt sie hinzu.

In ihrer Bibelarbeit geht es um ein Gleichnis: Eine Witwe verlangt von einem Richter immer wieder Gerechtigkeit. „Sie war wohl eine Nervensäge“, sagt Käßmann und bringt damit den Saal zum Lachen. Dann fügt sie hinzu: „Frauen können echt nerven, und manchmal müssen sie das auch.“ Und nicht nur Frauen. Lästig sein, wenn es um die gute Sache geht, das erklärt Käßmann zur Christenpflicht.


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