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Familiendrama im Luxusbunker

Von Verena Hoenig

vhoe Osnabrück. Die Tür des Bunkers hat sich unwiderruflich geschlossen und wird erst in fünfzehn Jahren wieder aufgehen. Dann, wenn sich draußen die durch einen atomaren Angriff erzeugte Radioaktivität abgebaut hat. Elis Vater, ein Milliardär, hat für seine Familie vorgesorgt. Drei Stockwerke unter der Erde ließ er eine riesige Bunkeranlage bauen mit Krankenstation, Fitnessraum, Bibliothek, einem Stall für Kühe und Hühner und einem hydroponischen Garten. Zwar sind Eli, seine Mutter und Schwestern in Sicherheit, aber der am Anfang Neunjährige leidet schwer darunter, dass sein Zwillingsbruder es nicht in die Schutzräume geschafft hat. Das Eingesperrtsein wird zunehmend unerträglich, auch wenn sich die einzelnen Familienmitglieder in ihre Routinen flüchten und damit die Zeit zu überbrücken suchen. Die Situation spitzt sich zu, als nach sechs Jahren die Lebensmittel knapp werden und Eli mit seinem Vater aneinander gerät, der ihr Leben regiert und nun geradezu despotische Züge an den Tag legt.

Der Schauplatz ist an sich schon ungewöhnlich und auch beklemmend. Doch S. A. Bodeen hat Irritationen und Geheimnisse in diesen dichten Psychothriller eingebaut, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen. Das Buch strotzt vor unerwarteten Wendungen, doch die Überraschung, die es dem Leser auf halber Strecke bereitet, zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Im Zusammenhang mit den schwindenden Nahrungsvorräten bringt die Autorin sehr konkret die Möglichkeit des Kannibalismus ins Spiel. Ob diese ethische Grenzüberschreitung tatsächlich notwendig ist, darf allerdings angezweifelt werden.

S. A. Bodeen: „Überleben“. Aus dem Amerikanischen von Christian Dreller, Oetinger Verlag, 286 S., 16,95 Euro. Ab 14 Jahren.