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Kommentar zur „Roten Linie“ Im Syrienkonflikt ringen die USA um Einfluss

Von Burkhard Ewert

Nun doch? US-Präsident Obama will syrische Rebellen stärker unterstützen als bisher. Russland bezichtigt ihn der Lüge. Foto: dpaNun doch? US-Präsident Obama will syrische Rebellen stärker unterstützen als bisher. Russland bezichtigt ihn der Lüge. Foto: dpa

Osnabrück. Assad böse, Rebellen gut: Diese Rechnung bleibt im Fall Syrien zu einfach. Der jüngste Schritt der USA; die selbst gesetzte rote Linie als überschritten zu betrachten, ändert daran nichts.

Zwar führt der Präsident zweifellos einen brutalen Krieg gegen eigene Bürger. Aber nicht gegen alle Einwohner, vermutlich nicht einmal gegen eine Mehrheit. Weiterhin hat der Machthaber erheblichen Rückhalt unter jenen, denen die Pest lieber ist als die Cholera, sprich: die das amtierende Regime anarchischer Gewalt oder einer Diktatur sunnitischer Islamisten vorziehen. Auch vor den Aufständen war Syrien kein Hort der Glückseligkeit, wohl aber ein stabiler und säkularer Staat mit solider Infrastruktur.

In vielerlei Hinsicht muss jede Prognose für die Zeit nach dem Bürgerkrieg von einer schlechteren Lage als vorher ausgehen. Daher gibt es durchaus Gründe, die Lager nicht in Schwarz und Weiß zu teilen und wie jetzt der frühere SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu erkennen: In Syrien mangelt es an vielem, aber an einem sicherlich nicht – an Waffen.

Dies ist ein kluger Satz. Nun ist auch Barack Obama nicht dumm. Eine stärkere Unterstützung von Rebellen anzukündigen (welcher überhaupt?) dürfte denn auch kaum in spürbare Taten münden. Der Schritt folgt daraus, dass sich der US-Präsident mit seiner roten Linie leichtfertig unter Zugzwang gesetzt hatte. Ferner zielt er nur bedingt Richtung Damaskus. Eher steckt die etwas hilflos wirkende Absicht dahinter, gegenüber Russland, China und dem Iran wieder an Einfluss zu gewinnen.