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Schauspieler Walter Giller starb im Alter von 84 Jahren – Seit 1956 mit Nadja Tiller verheiratet Der liebenswert-verschmitzte Normalbürger

Von Tobias Sunderdiek


Osnabrück. Er war ein vertrautes Gesicht im Film, im Fernsehen und auf der Bühne: Walter Giller ist am Donnerstagabend in Hamburg im Alter von 84 Jahren an Krebs gestorben. Als Mann, der die Lacher stets auf seiner Seite hatte, wird er jedoch Millionen in Erinnerung bleiben.

„Locker vom Hocker“ – so hieß jene bekannte Sketchparade im ZDF, mit der Giller zwischen 1979 und 1987 ein Millionenpublikum begeisterte. Der Titel könnte aber auch für den von ihm verkörperten Darstellertyp stehen. Seit den frühen 1950er-Jahren im Filmgeschäft unterwegs, spielte er meist den liebenswert-verschmitzten Normalbürger, oft in Schlager- und Revuefilmen sowie Komödien. Typische Titel jener Zeit sind „Schwarzwaldmelodie“ (1956), „Der schräge Otto“ (1956), die „Peter Voss“-Kriminalkomödien mit O.W. Fischer (1958 und 1959) oder „Drei Mann in einem Boot“ (1961, zusammen mit Heinz Erhardt und Joachim Kuhlenkampff).

Neben zahlreichen Auftritten in Routineproduktionen jener Zeit wusste Giller aber auch in anspruchsvollen Filmen zu begeistern. An der Seite Heinz Rühmanns brillierte er in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956). Wolfgang Staudte besetzte ihn in „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959) als Hausierer und Verlierer der Wirtschaftswunderjahre, der gegen die Restauration der Adenauer-Ära aufbegehrte. Der Film zeigte kritisch-satirisch, wie ehemalige NS-Beamte in der Bundesrepublik Karriere machen konnten. Ein Fremdkörper im ansonsten eher auf leichte Unterhaltung abonnierten Filmschaffen Gillers, zugleich aber ein künstlerischer Triumph, für den der Schauspieler den Bundesfilmpreis erhielt. Einen weiteren Bundesfilmpreis erhielt Giller für seine Nebenrolle im Berlin-Drama „Zwei unter Millionen“ (1961). Zum weiteren Markstein der Karriere wurde die Hauptrolle in der Kurt-Tucholsky-Verfilmung „Schloss Gripsholm“ (1963) durch Kurt Hoffmann.

Daneben gab es aber auch einige Kuriositäten in der Filmografie des Schauspielers. So spielte Giller 1964 in „Fanny Hill“ des Hollywood-Kult-Sexfilmers Russ Meyer mit. Trotz fehlender Herausforderungen blieb Walter Giller stets gut beschäftigt. Als einer der großen Stars der Nachkriegsära konnte er sich auch im zunehmenden Alter gut behaupten.

Doch nicht nur beruflich, auch privat war Giller das Glück beschieden. Mit seiner Frau, der ebenfalls erfolgreichen Schauspielerin Nadja Tiller, war er seit 1956 verheiratet. Zusammen bekamen sie eine Tochter und einen Sohn. Dabei galten beide auch beruflich, im Kino ebenso wie im Fernsehen und auf der Bühne, als Traumpaar. Oft sah man sie gemeinsam in Fernsehserien oder in Boulevardstücken, mit denen beide auf Tournee gingen. Gemeinsam beschlossen sie 2008, in ein Hamburger Altersstift zu ziehen.

Zuletzt trat das Paar Walter Giller/Nadja Tiller gemeinsam in Leander Haussmanns „Dinosaurier“ (2009) auf. Wobei der Untertitel dieser Kinokomödie nicht besser gewählt sein könnte, wollte man das Charisma des beliebten Paares Giller/Tiller beschreiben: „Gegen uns seht ihr alt aus!“