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Mubarak reagiert auf Proteste ÄgyptensRegimewackelt

Von dpa

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Ausgangssperre und Tränengas: Regierungsgegner in Kairo demonstrierten dennoch.Foto: dpaAusgangssperre und Tränengas: Regierungsgegner in Kairo demonstrierten dennoch.Foto: dpa

dpa Kairo. Tote und Verletzte bei landesweiten Massenprotesten, Demonstrationen trotz Ausgangssperre, Parteizentrale in Flammen: Die Lage in Ägypten hat sich dramatisch zugespitzt. Nach Stunden reagierte Präsident Husni Mubarak auf den Druck: In einer Fernsehansprache forderte er sein Kabinett zum Rücktritt auf.

Wie die Demonstranten darauf reagieren würden, war bei Redaktionsschluss noch nicht abzusehen. Zuvor hatte die Regierung versucht, mit aller Härte die Massenproteste zu zerschlagen, sie konnte aber den Aufstand von mehr als 100000 Unzufriedenen nicht stoppen. Bei blutigen Zusammenstößen im ganzen Land sollen mindestens 19 Menschen getötet und mehr als 1000 Demonstranten verletzt worden sein.

In seiner Fernsehansprache erklärte Mubarak, das Land trotz der Massenproteste gegen seine Person selbst aus der Krise führen zu wollen. Er sei politischen und wirtschaftlichen Reformen verpflichtet. Probleme sollten nicht durch Gewalt gelöst werden.

In Kairo war von den heftigsten Protesten seit den Hungerrevolten im Jahr 1977 die Rede. Die Massen in Kairo, Alexandria und in anderen großen Städten forderten den vierten Tag in Folge Demokratie, bessere Lebensbedingungen und ein Ende der 30-jährigen Herrschaft des 82-jährigen Mubarak. Die Polizei antwortete mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen. Die Demonstranten warfen daraufhin Steine und zündeten Polizeireviere und Einsatzfahrzeuge an. Vor Beginn der Kundgebungen hatte die Regierung das Internet und die meisten Mobiltelefon-Verbindungen gekappt.

Am Abend spitzte sich die Lage trotz einer auf das ganze Land ausgeweiteten Ausgangssperre zu. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie das Hauptquartier der herrschenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) in Kairo in Flammen stand. Wütende Demonstranten versuchten auch, das Außenministerium und das Gebäude des staatlichen Fernsehens zu stürmen.

Dabei gehen nicht alle Sicherheitskräfte hart gegen die Demonstranten vor. An einigen Orten kam es zu Verbrüderungsszenen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, wie Fernsehbilder zeigten.

Während des Freitagsgebets hatte die Polizei vor einer Moschee im Kairoer Stadtteil Giza eine Gruppe von Demonstranten eingekesselt, zu der auch der ehemalige Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el Baradei, gehörte. Am Abend wurde er unter Hausarrest gestellt. Der Friedensnobelpreisträger war am Donnerstag nach Ägypten zurückgekehrt. Viele Oppositionelle sehen in ihm einen möglichen Nachfolger Mubaraks.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte ein Ende der Gewalt in Ägypten und mahnte Meinungs- und Informationsfreiheit an. Das Auswärtige Amt warnte gestern vor Reisen in die größeren Städte des Landes. Die Situation in den Touristengebieten sei aber ruhig. Unterdessen teilten die USA mit, ihre jährliche Milliarden-Dollar-Hilfe für Ägypten zu überdenken. Die Proteste ließen den Ölpreis steigen.

Auch in Jordanien flammten gestern Proteste auf. In Tunesien beruhigte sich die Lage etwas. Seite 2


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