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Pussy Riot Kommentar: Der Popanz im Kreml

Von Marcus Tackenberg

Osnabrück. Alle Achtung! Wie die drei angeklagten Musikerinnen der Punkband Pussy Riot der autoritären Obrigkeit in Russland tapfer die Stirn bieten, überrascht und verdient Respekt. Denn das Trio muss das Schlimmste befürchten, wenn es seinen Protest gegen Präsident Wladimir Putin und den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche vor Gericht weiter verteidigt.

Sicher, der provokante Auftritt in der Moskauer Erlöserkirche war mehr als ein dummer Streich, der schnell zu entschuldigen wäre. Die Gruppe nahm mit drastischen Worten die unheilige Allianz der Kirche mit der Staatsmacht aufs Korn. Selbst in Deutschland könnte solch ein Tanz vor dem Altar geahndet werden, weil er eben über die bloße Äußerung einer Meinung hinausgeht. Aber deswegen würden den Ruhestörern hierzulande niemals sieben Jahre Straflager drohen. Auch die lange Untersuchungshaft ist alles andere als verhältnismäßig.

Darin zeigt sich, wie finster es um die Rechtsstaatlichkeit in Russland bestellt ist. Der Kreml zieht im Hintergrund des Prozesses die Fäden, die orthodoxe Kirche macht sich zum Handlanger eines Regimes, das Kritiker sogar um den Preis der Lächerlichkeit mundtot machen will. Denn was ist schon von einer Regierung zu halten, die drei harmlose junge Frauen fürchtet und sich dabei zum Popanz macht?