28000 Menschen harren drei Stunden vor Gottesdienst auf Erfurter Domplatz aus Papst ermutigt Katholiken im Osten

Von Christof Haverkamp | 25.09.2011, 15:36 Uhr

Wer zur Papstmesse um 9 Uhr will, muss früh aufstehen: Um 6 Uhr beginnt am Samstag das Vorprogramm, doch da hat sich der noch dunkle Domplatz in Erfurt schon gefüllt. Zuvor hatte sich jeder Teilnehmer einem Sicherheitscheck wie am Flughafen zu unterziehen.

„Keiner soll alleine glauben“, steht auf einer Stoffbahn hoch oben am Erfurter Domberg, daneben das Logo des Bonifatiuswerks, das sich um Katholiken in der Minderheit kümmert. Wie in Ostdeutschland, wo die Katholiken nur vier Prozent der Bevölkerung stellen.

Zumindest an diesem Tag aber muss niemand alleine glauben: Rund 28000 Menschen harren aus, um Gottesdienst zu feiern. Polizei und Bundeskriminalamt sind im Großeinsatz, Personenschützer wirken angespannt. Nach dem Gottesdienst wird öffentlich, dass am Morgen ein Mann mit einem Luftgewehr auf Sicherheitspersonal geschossen hat – aus einer Wohnung, nur wenige Hundert Meter vom Domplatz entfernt. Verletzt wird niemand, doch die Aufregung ist groß.

Davon bekommen die Gläubigen nichts mit, als Benedikt XVI. mit dem Papamobil durch die Reihen fährt. „Benedetto“-Rufe empfangen ihn, Weihrauchschwaden ziehen nun über den Platz. Zwei Begleiter stützen den Papst, als er zur Altarbühne hochsteigt. Benedikt XVI. predigt im Sitzen. Er wirkt erschöpft.

Am Abend zuvor hatte der 84-Jährige nach einem dichten Programm noch Opfer sexuellen Missbrauchs getroffen, drei Männer und zwei Frauen. Eine halbstündige, tränenreiche Begegnung, so heißt es. Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann war dabei. Er sagt, dem Papst seien „Beschämung und Schmerz deutlich anzumerken gewesen“.

In der Predigt spricht Benedikt den Diaspora-Katholiken Mut zu: „Hier in Thüringen und in der früheren DDR habt ihr eine braune und eine rote Diktatur ertragen müssen, die für den christlichen Glauben wie saurer Regen wirkte.“ Dank zollt er denen, die in kirchenfeindlichem Umfeld ihre Kinder im Glauben erzogen hätten.

„Für unsere kleine Ortskirche ist das ein wichtiges inhaltliches und emotionales Ereignis gewesen“, sagt der Erfurter Bischof Joachim Wanke hinterher. So sieht das ebenfalls Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), eine evangelische Theologin.