Kolumne "Berliner Geflüster" Gesundheitsminister Karl Lauterbach? Lieber Peter Tschentscher!

Holt Olaf Scholz nicht Karl Lauterbach, sondern Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (links im Bild) nach Berlin ins Gesundheitsministerium? Ärztevertreter fänden das gut.Holt Olaf Scholz nicht Karl Lauterbach, sondern Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (links im Bild) nach Berlin ins Gesundheitsministerium? Ärztevertreter fänden das gut.
Thomas Imo / Imago stock & people

Berlin. "Es kann nur einen geben", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag über Karl Lauterbach. Was stimmt: Es kann nur einen Gesundheitsminister geben. Aber muss das Lauterbach sein? Ärzte haben einen anderen Favoriten.

Berliner Geflüster: In unserer Hauptstadt-Kolumne berichten unsere Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Tobias Schmidt jedes Wochenende über Kurioses und Bemerkenswertes aus der Berliner Blase. Sie blicken hinter die Kulissen von Bundestag, Kanzleramt und Rotem Rathaus. 

Weil Olaf Scholz erst am Montag sein SPD-Ampelpersonal vorstellt, treibt die Frage nach dem Nachfolger von Jens Spahn (CDU) das politische Berlin seit Tagen um. Die Twitter-Blase und viele Medien haben sich (siehe SZ) auf die Seite Lauterbachs gestellt. 

Hört man sich in der Ärzteschaft um, taucht ein anderer Name auf, natürlich nur geflüstert, denn Einmischung gehört sich nicht.

Lauterbach? "Ich hoffe nicht"

Ärztepräsident Klaus Reinhardt sagt immerhin "on the record": "Wir nehmen jede Gesundheitsministerin oder jeden Gesundheitsminister vorurteilsfrei, sachlich und mit der offenen Bereitschaft zur Zusammenarbeit an." Fügt aber hinzu: "Wichtig ist, dass der neue Gesundheitsminister oder die neue Gesundheitsministerin nicht spaltet, sondern integriert, gerade in einer so aufgeheizten Lage wie jetzt."

Ist das Werbung für den gefeierten aber ebenso umstrittenen Lauterbach? 

Rolf Vennenbernd / dpa
Extrem kompetent, aber auch ministeriabel? SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

Eher nicht. 

Ein anderer Ärztefunktionär wird hinter vorgehaltener Hand deutlicher: "Ich hoffe nicht, dass es Herr Lauterbach wird." Sprunghaft, volatil, alarmistisch... Die Personalie raube schon den Leuten im Gesundheitsministerium den Schlaf, wird gemutmaßt. 

Aber wer könnte es sonst machen? Verdammt häufig taucht der Name Peter Tschentscher auf, Hamburgs Erster Bürgermeister. 

Tschentscher ist nicht nur - wie Lauterbach - selbst ein Arzt (und Genosse). Er hat auch die Corona-Krise in der Großstadt vorbildlich gemanagt. Impfen, Boostern, 2G: Überall liegt die Hansestadt vorn. 

Der "Anti-Lauterbach" aus der Hansestadt

Und zwar sitzt auch Tschentscher oft bei Markus Lanz auf dem Sofa. Aber ansonsten ist er der Anti-Lauterbach: Bestimmt, aber eher leise im Ton, zurückhaltend im Gestus, ein kühler aber durchsetzungsstarker Politiker mit Regierungserfahrung und einem Wahlsieg auf dem Konto. "Tschentscher wäre sicher geeignet", sagt ein leitender Krankenhausarzt. "Er wäre meine Top-Besetzung", ist von anderer Stelle zu hören.

Auf Tschentscher angesprochen, ließ sich Scholz selbst kürzlich nicht aus der Reserve locken: „Ach! Die Regierung wird in der nächsten Woche ins Amt kommen.“ So lange werde er sich Zeit lassen. Aus Tschentschers Umfeld ist nicht zu erfahren, ob der 55-Jährige aus der Hansestadt ins Haifischbecken Berlin wechseln würde.

In seiner Partei und unter Gesundheitspolitikern wäre Tschentscher als Spahn-Nachfolger wohl sehr gut zu verkaufen. Ein PR-Problem hätte Scholz trotzdem an der Backe: Den Skandal um die Hamburger Warburg Bank. Dabei hat nicht nur der künftige Kanzler als damaliger Hamburger Bürgermeister undurchsichtig agiert. Unmittelbar vor der Entscheidung der Finanzverwaltung, der Bank Millionen zu erlassen, telefonierte Scholz  laut Medienberichten mit dem damaligen Finanzsenator. Dessen Name: Peter Tschentscher.


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