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Bertelsmann-Studie zur Religion Mehrheit der Deutschen sieht Islam als Bedrohung an

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<em>Sieht bei der Islamfeindlichkeit </em>schlimmste Befürchtungen bestätigt: Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Foto: dpaSieht bei der Islamfeindlichkeit schlimmste Befürchtungen bestätigt: Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Foto: dpa

Gütersloh. Die meisten Deutschen sehen ihr Leben durch die Vielfalt der Religionen bereichert. Zugleich wird allerdings der Islam als etwas Fremdes und Bedrohliches empfunden. Das geht aus dem neuen „Religionsmonitor“ hervor, dessen Ergebnisse die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh veröffentlichte.

Die Vorbehalte gegenüber dem Islam sind in Ostdeutschland (57 Prozent) nach der Studie der Bertelsmann-Stiftung ausgeprägter als in den alten Bundesländern (49 Prozent), obwohl im Osten nur wenige Muslime leben. Nahezu jeder fünfte Deutsche nimmt das Judentum als Bedrohung wahr.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland , sieht die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Es gebe in Deutschland „einen strukturellen islamfeindlichen Boden“, sagte er. Seit Jahren werde nicht ausreichend zwischen Islam und Extremismus unterschieden. „Das führt zu Beklommenheit, die wiederum zu Angst und Fremdheit gegenüber der Religion führt.“

Die Distanz zum Islam ist nicht auf Deutschland beschränkt, wie die repräsentative Erhebung zeigt. 76 Prozent der Israelis, 60 Prozent der Spanier, 50 Prozent der Schweizer und 42 Prozent der US-Amerikaner fühlen sich vom Islam bedroht.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider , warb mit Blick auf die Studie für ein differenziertes Bild des Islam. Offenbar hätten viele Menschen in Deutschland ein verzerrtes Bild vom Islam, sagte der Theologe der „Welt“. Dagegen helfe nur beharrliche Überzeugungsarbeit. Die übergroße Mehrheit der Muslime lebe friedlich in Deutschland.

Für den Religionsmonitor wurden im November und Dezember 2012 rund 14000 Menschen in 13 Ländern zu ihrer persönlichen Religiosität, ihren Wertehaltungen und dem Verhältnis von Religion, Politik und Gesellschaft befragt. Im internationalen Vergleich von Religiosität nimmt Deutschland der Erhebung zufolge einen mittleren Rang ein.


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