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27.08.2021, 17:48 Uhr KOMMENTAR

Wer durchblickt das Wirrwarr der Corona-Verordnungen?

Ein Kommentar von Ralf Döring


Das beste Mittel gegen Corona: Die Impfung. Aber bis in Deutschland genügend Menschen geimpft sind, brauchen wir die Corona-Verordnungen der Bundesländer.Das beste Mittel gegen Corona: Die Impfung. Aber bis in Deutschland genügend Menschen geimpft sind, brauchen wir die Corona-Verordnungen der Bundesländer.
Frank Rumpenhorst/dpa

Osnabrück. Hamburg führt die 2G-Regelung ein, andere Bundesländer versuchen anders, der Corona-Pandemie Herr zu werden. So entsteht ein bunter Flickenteppich an Verordnungen, der einen Nachteil hat: Niemand durchblickt ihn.

Dem Coronavirus sind die Verordnungen der Bundesländer herzlich egal. Es mutiert munter und freut sich auf Ungeimpfte, und je dichter die beieinanderstehen, desto leichter fällst es ihm, sich zu verbreiten. Die Verantwortlichen in den Gesundheitsministerien wissen das. Deshalb versuchen sie dem Treiben des Virus Einhalt zu gebieten, indem sie regelmäßig neue Corona-Schutzverordnungen erlassen. Und da zeigt sich die bunte, sprich föderalistische Republik Deutschland von ihrer bizarrsten Seite, weil jedes Bundesland das Covid-19-Rad für sich neu erfindet, wieder und wieder. Schon jede einzelne Verordnung für sich ist ein bizarres Meisterwerk der geschraubten deutschen Behördensprache. Zusammengenommen aber ergibt sich ein Wirrwarr der Verordnungen, das niemand mehr durchblickt.

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Für den Bürger, der von Niedersachsen an die Ostsee oder von Schwerin nach Ostfriesland reist, ist das lästig wie ein kratziger Pullover: Es nervt, aber man gewöhnt sich dran. Für Unternehmer wie die großen Konzertveranstalter aber ist der Verordnungswirrwarr geschäftsschädigend: Wie sollen sie Bands oder Orchester auf Deutschlandtour schicken, wenn in 16 Bundesländern 16 unterschiedliche Regelwerke greifen? Hier ja, dort nein, da vielleicht? Man kann, nein: man muss den Veranstalter verstehen, der unter diesen Umständen „dann eben nicht“ sagt.

Der Kreis derer, die darunter leiden, reicht allerdings weit über den kleinen Kreis der Konzertveranstalter hinaus: Es leidet das Publikum unter Kulturentzug, es leiden Musiker, weil ihnen schlicht die Einnahmen fehlen. Und schließlich leidet die Akzeptanz der Corona-Politik: Wer Regelungen nicht versteht, wird sich kaum daran halten. Völlig irrsinnig wird es übrigens, wenn Veranstalter über Corona-Regeln entscheiden sollen. Denn für die potenziellen Gäste heißt das: Hier genügt ein negativer Corona-Test, beim Nachbarn ist er wertlos – das erzeugt, vorsichtig formuliert, Unmut. Hier hilft nur eines: verbindliche Regeln für alle, und zwar deutschlandweit. Und so schwierig das angesichts der dynamischen Pandemielage sein mag: Eine gewisse Vorlaufzeit würde manches erleichtern. Die nächste Konferenz der Ministerpräsidenten darf das Thema ruhig mal auf die Tagesordnung setzen.


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