DGB widerspricht Arbeitgebern Alles "Unsinn"? Heftiger Streit um BA als Weiterbildungsagentur

Sollten die Arbeitsagenturen zusätzliche Aufgaben in der Weiterbildung erhalten? Darüber ist scharfer Streit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften entbrannt.Sollten die Arbeitsagenturen zusätzliche Aufgaben in der Weiterbildung erhalten? Darüber ist scharfer Streit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften entbrannt.
Jens Kalaene/dpa

Osnabrück. Alles "Unsinn"? Zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ist in der Debatte um Weiterbildung und Qualifizierung von Arbeitnehmern scharfer Streit um die Bundesagentur für Arbeit (BA) entbrannt.

DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte unserer Redaktion:  „Der Vorschlag, die Bundesagentur für Arbeit noch stärker als bisher zu einer Weiterbildungsagentur umzubauen, muss in Koalitionsverhandlungen unbedingt aufgegriffen und mit Leben gefüllt werden.“ Hoffmann nannte es "nicht nachvollziehbar“, dass BDA-Chef Rainer Dulger dies vehement ablehne. „Als Arbeitgeberpräsident sollte er wissen, dass der auf der Arbeitswelt lastende Transformationsdruck die Arbeitsbedingungen eines großen Teils der Beschäftigten verändern wird. Statt anderen ‚Größenwahnsinn‘ vorzuwerfen, sollte er sich lieber für ein größeres Engagement der Wirtschaft beim Thema Weiterbildung einsetzen.“

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Der DGB-Vorsitzende betonte, gerade Beschäftigten in niedriger bezahlten Tätigkeiten müsse die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung gegeben werden. Die Menschen müssten sich im Strukturwandel auf die Unterstützung der BA bei notwendiger beruflicher Umorientierung verlassen können. „Der Ausbau der Weiterbildungsberatung und -förderung durch die BA ist daher ausdrücklich zu unterstützen.“

Dulger hatte zuvor Pläne etwa der SPD für einen Ausbau der Bundesagentur für Arbeit zu einer umfassenden Weiterbildungsbehörde als "Größenwahn" und "Unsinn" kritisiert. Er mahnte:  "Der Staat kann nie so gut und so genau die Weiterbildungsmöglichkeiten und Bedarfe erkennen, wie es Unternehmen und Betriebe können." Investiert werden müsse in betriebliche Weiterbildung.

DGB: Deutschland stärker für Einwanderung öffnen

Hoffmann forderte zudem, die nächste Bundesregierung müsse das Land „stärker für Einwanderung öffnen und Eingewanderten den Zugang und Einstieg in Arbeit erleichtern, etwa durch die Anerkennung ausländischer Qualifikationen“. Zwar bestehe hier mittlerweile eine flächendeckende Struktur, diese müsse jedoch dringend harmonisierter, berechenbarer und schneller werden.

 Zur Fachkräftegewinnung gehört es nach den Worten des Gewerkschafters auch, inländisch vorhandenes Potential zu heben. „Eingewanderten, die sich aus humanitären Gründen in Deutschland aufhalten, sei aber häufig der Zugang zum Arbeitsmarkt aufgrund enger gesetzlicher Regelungen verwehrt. „Hier wäre ein offener Spurwechsel aus einem humanitären Status in Ausbildung und Beschäftigung ein guter Weg, um Fachkräfte in Deutschland auszubilden.“

Daniel Karmann/dpa

BA-Chef Detlef Scheele hatte zuvor erklärt, Deutschland gingen die Fachkräfte aus. Durch die demografische Entwicklung nehme die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte im typischen Berufsalter bereits in diesem Jahr um fast 150 000 ab. Scheele sagte voraus: „In den nächsten Jahren wird es viel dramatischer.“ Deutschland brauche rund 400 000 Zuwanderer pro Jahr - und damit deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

2020 sind in Deutschland nach einer dpa-Übersicht 44 800 ausländische Abschlüsse als vollständig oder eingeschränkt gleichwertig zu deutschen Qualifikationen anerkannt worden. Das waren 5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zwei Drittel davon (29 900) entfielen auf medizinische Gesundheitsberufe. Davon wiederum entfiel gut die Hälfte (15 500) auf Pflegekräfte. Nach Herkunftsstaaten stellten Menschen aus Bosnien-Herzegowina dabei mit 3600 die größte Gruppe vor Serbien (3400) und Syrien (3100).


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